Ein typisches Kellerstöckl im Heiligenbrunner Kellerviertel.

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Das Wetter war am Palmwochenende noch wenig österlich. Eher windig und kühl und wechselhaft. Entsprechend zurückhaltend waren die Ausflügler im und ins Südburgenland. Und das war schade, denn dort hat man zum regionalen Frühlingserwachen gerufen. Stilgemäß nannte sich das "Uhudler Opening". Das ist ein kulinarisch-önologischer Event, der die so landschaftsprägenden Kellerstöckl und Kellergassen touristisch bespielt.

Der Uhudler ist mittlerweile ja die Leitfrucht des Südburgenlandes. Nicht mehr wegzudenken von den im Normalfall sich biegenden Schenkhaustischen. Das südliche Südburgenland – von Moschendorf über Heiligenbrunn bis Kalch hinunter – nennt sich Uhudler-Land.

Die Existenz des Trunks musste immer wieder erkämpft werden gegen allerlei feindselige Marktregulatoren und Edelweinlobbyisten. Zuletzt, 2016, focht man gegen EU-Bürokraten, die den Uhudler und seine Verwandten – den Fragolino in Italien, den Americano in der Schweiz – spätestens 2030 zur Gänze aus dem Verkehr ziehen wollten. Im Südburgenland wurden bereits Rodungsbescheide für neu ausgepflanzte Weingärten zugestellt. Das hat sich geändert. Der Uhudler ist, gewissermaßen, verkultet.

Die Reblaus

Er ist – anders als die edlen Tröpferln – ein Direktträger. Als in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts die europäische Weinwirtschaft der amerikanischen Reblaus zum Opfer fiel, wurden resistente Weinstöcke aus Amerika importiert und als Unterlage für die alten Weinsorten verwendet. Manche Amerikaner (Vitis labrusca) wurden mit Europäern (Vitis vinifera) gekreuzt. Daraus ergaben sich kräftige, Reblaus-resistente Sorten wie Concord, Delaware oder Ripatella – Uhudlertrauben.

Der Uhudler besticht mit einem Geruch nach Waldbeeren und dem sogenannten Foxton, den allzu ehrlichkeitsversessene Alemannen rüde "Chatzeseicherli" nennen. Das freilich ist nicht der einzige Grund dafür, dass er verfemt, verleumdet, ja verfolgt wurde. Man unterstellte dem Uhudler – der Rabiatperle, dem Heckenklescher – übermäßigen Methanolgehalt. Ein besonders übler Verleumder war Friedrich Zweigelt, der Zweigelt. 1936 kam es zu einem ersten Verbot.

Kein Wunder, dass der Uhudler ein Trunk – ja Umtrunk – der Rebellen ist. Einer der stursten war Johann Trinkl, der 1990 verstorbene Winzer und Kämpfer gegen die Verbieterei, den sie seines Bartes wegen Rübezahl nannten. Im Kellerviertel von Heiligenbrunn haben sie ihm ein Denkmal gesetzt. Zu Recht. (Wolfgang Weisgram, 12.4.2022)