Weiter warten heißt es auf viele Tablets an den Schulen.

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Fehlende Geräte, schlechtes WLAN und Tablets, die im Unterricht verstauben oder aufgrund ihrer schlechten Leistung kaum einsetzbar sind: Wer am Mittwoch den Aussagen von Bildungsminister Martin Polaschek (ÖVP) sowie Christoph Drechsler vom Bundeselternverband im Ö1-"Morgenjournal" lauschte, bekam ein düsteres Bild hinsichtlich der Digitalisierungsfortschritte der österreichischen Schulen präsentiert. Auch A1, das für einen Teil der Gerätebereitstellung verantwortlich ist, steht dabei in der Kritik.

Angesprochen darauf, dass in einem Viertel der Schulen weiterhin die notwendigen Geräte fehlen, verwies Polaschek auf Probleme mit dem Lieferer A1 – ohne den Konzern namentlich zu nennen. "Es hat eine Ausschreibung und einen Zuschlag für einen Bieter gegeben. Die gelieferten Geräte haben aber zu einem Gutteil nicht den Anforderungen entsprochen", sagte Polaschek. Es gebe intensive Gespräche mit dem Anbieter darüber, Ersatzgeräte zu liefern. Dieser habe sich auf Basis der Ausschreibung verpflichtet, für entsprechende Geräte zu sorgen.

A1 will Vertrag erfüllt haben

Bei A1 zeigt man sich über die geäußerte Kritik verwundert. Entsprechend der Ausschreibung habe man die Windows-Tablets mit den vereinbarten Spezifikationen geliefert. "Ob die Geräte den angestrebten Einsatzgebieten entsprechen, können wir nicht beurteilen, da dies nicht in den Ausschreibungskriterien festgehalten war", teilt A1-Sprecherin Livia Dandrea-Böhm dem STANDARD mit.

Es bestehe allerdings die Möglichkeit, Verbesserungen bei den Geräten zu erzielen. Gemeinsam mit dem Hersteller und dem Ministerium werde an einer Optimierung der Benutzerfreundlichkeit gearbeitet. Sobald eine entsprechende Lösung gefunden werde, werden die Tablets ausgeliefert, teilte A1 mit.

Billigstangebot gewann Ausschreibung

STANDARD-Informationen zufolge waren IT-Verantwortliche an den Schulen mit der Rechenleistung der Windows-Tablets, aber auch der Qualität bzw. der Bedienung der Touch-Displays nicht zufrieden. Aufgrund dessen wurde keines der insgesamt 43.622 bei A1 bestellten Geräte an Schülerinnen und Schüler ausgegeben, wie das Ministerium dem STANDARD bestätigte. Die restlichen 132.100 Geräte, die über einen anderen Anbieter geliefert wurden, seien bereits im Einsatz. Dabei dürfte es sich um Apple iPads handeln.

Das wirft einige Fragen hinsichtlich des Ausschreibungsverfahrens auf. Denn offenbar wurde der Auftrag per Billigstbieterprinzip vergeben. Der Hinweis von A1, man habe die in der Ausschreibung festgelegten Geräteanforderungen erfüllt, könnte darauf hindeuten, dass die technischen Spezifikationen bei der Ausschreibung unter Umständen zu gering angesetzt und folglich mit den erworbenen Billig-Tablets am falschen Ende gespart wurde.

Im Bildungsministerium stellt man diese Interpretation in Abrede. Ein umgehend vom Ministerium beauftragtes unabhängiges Gutachten habe die Funktionsprobleme der von A1 Telekom gelieferten Geräte bestätigt. Die Finanzprokuratur habe zudem eine Mängelrüge gegen A1 Telekom erhoben und eine Nachfrist zur Verbesserung bis 20. April gesetzt. Klar sei jedoch, dass jedes Kind sein Gerät bekommen werde, teilte ein Ministeriumssprecher dem STANDARD mit. Der Zeitpunkt ist aktuell jedoch noch unklar.

Bundesschulen zu 95 Prozent an Glasfaser angebunden

Vom STANDARD auf die Kritik von Elternvertretern angesprochen, dass einige Schulen kurz vor dem Start des Pflichtgegenstands "Digitale Grundbildung" an Neuen Mittelschulen und AHS noch nicht einmal über WLAN und genügend Steckdosen verfügen, verspricht das Ministerium eine Glasfaser- und WLAN-Versorgung für alle Bundesschulen bis zum Ende des kommenden Schuljahres. Schon jetzt seien 95 Prozent der Bundesschulen an Glasfaser angeschlossen. Bei den restlichen Schulen seien vielmehr die Schulerhalter, also Gemeinden und Länder, gefordert. Auch hier gebe es aber enorme Fortschritte, teilte der Sprecher mit.

Was die bessere digitale Ausbildung von Lehrpersonen betrifft, hätten bereits 50.000 Personen an der virtuellen Lehrkräftefortbildung teilgenommen. Pädagogische Hochschulen würden ebenfalls eine Vielzahl an Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten anbieten. (Martin Stepanek, 13.4.2022)