Alternative Mitfluggelegenheiten brauchen nach dem Marsrover nun auch europäische Mondinstrumente, die an Bord russischer Missionen zum Erdtrabanten hätten gelangen sollen.

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Angesichts des russischen Angriffskriegs in der Ukraine stellt die europäische Weltraumorganisation Esa nun auch ihre Beteiligung an den russischen Mondmissionen Luna ein. Die von der Esa bereitgestellten Technologien, die mit der russischen Raumfahrtbehörde Roskosmos zum Mond hätten fliegen sollen, werden anderweitig Einsatz finden, wie Esa-Generaldirektor Josef Aschbacher nach einer Tagung des Esa-Rats am Mittwoch in Paris mitteilte.

So soll etwa ein geplantes Instrument zur Entnahme von Bodenproben statt mit der russischen Mission Luna-27 mit einer Mission der US-Raumfahrtbehörde Nasa zum Mond fliegen. Auch für die europäische Navigationskamera Pilot D soll es alternative Einsatzmöglichkeit geben. Das Instrument, das an Bord der Mission Luna-25 detaillierte Aufnahmen für künftige Präzisionslandungen auf dem Mond hätte machen sollen, werde aus Russland zurückbeordert, sagte Aschbacher. "Ich habe die Entscheidung bereits dem Leiter von Roskosmos kommuniziert und um eine sichere Aufbewahrung ersucht, bis eine Rückholung möglich ist."

"Widerstandsfähiges Europa"

Mit Blick auf die geopolitische Lage betonte der Esa-Chef, dass die Zeit reif sei, "unsere Ambitionen für ein starkes, autonomes und widerstandsfähiges Europa im Weltraum zu verwirklichen". Ziel sei es, eine resilientere und robustere Weltrauminfrastruktur für Europa zu schaffen. Kurzfristig ist die Esa aber vor allem auf andere Partner angewiesen, um lange mit Russland geplante Projekte auch vor dem Hintergrund der Sanktionen gegen das Land realisieren zu können.

Vor einigen Wochen hatte die Esa bereits das europäisch-russische Gemeinschaftsprojekt Exomars gestoppt, der eigentlich startbereite Marsrover Rosalind Franklin wird daher nicht wie geplant im Herbst in Richtung Roten Planeten abheben, sondern stattdessen in Italien eingemottet. Auch hier läuft die Suche nach alternativen Projektpartnern zu Roskosmos auf Hochtouren, derzeit würden technische Machbarkeitsstudien durchgeführt, sagte Aschbacher. Eine Entscheidungsbasis für die nächsten Schritte soll es bis zum Sommer geben. Die Nasa hatte bereits Interesse an einer möglichen Zusammenarbeit angedeutet, ein Start der Mission dürfte aber in jedem Fall noch Jahre dauern.

Keine Planänderung bei ISS

Weiterlaufen soll die Kooperation mit Russland dagegen auf der Internationalen Raumstation ISS: Die Lage auf der Station sei stabil, der Betrieb werde wie gewohnt fortgesetzt, sagte Aschbacher. Die Mission des Esa-Astronauten Matthias Maurer, der sich derzeit auf der ISS befindet, laufe planmäßig, sagte Aschbacher. Auch der für kommende Woche angesetzte Start der Italienerin Samantha Cristoforetti werde stattfinden. Die bereits weltraumerfahrene Esa-Astronautin soll gemeinsam mit drei Nasa-Raumfahrern mit einem Raumschiff des US-Unternehmens Space X zur ISS fliegen. (dare, 13.4.2022)