Bei einem sofortigen Stopp russischer Gaslieferungen droht sowohl in Deutschland wie auch in Österreich eine Rezession.

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Wien/Berlin – Die Aussichten für die Konjunktur trüben sich derzeit mit jeder neuen Prognose ein. Vor allem versuchen Forscher die Folgen eines Gaslieferstopps aus Russland für die Wirtschaft zu quantifizieren.

Die führenden deutschen Institute warnen vor einer schweren Rezession und der höchsten Inflation seit Bestehen der Bundesrepublik, sollten die russischen Gaslieferungen tatsächlich gestoppt werden. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) dürfte heuer bei normaler Versorgung um 2,7 Prozent zulegen, heißt es in der am Donnerstag veröffentlichten Frühjahrsprognose. Das ist deutlich weniger als im Herbstgutachten prognostiziert. Damals wurden 4,8 Prozent veranschlagt. Die Inflation wird mit 6,1 Prozent so hoch eingeschätzt wie seit 40 Jahren nicht. "Die Erholung von der Corona-Krise wird infolge des Kriegs in der Ukraine gedämpft, behält aber die Oberhand", sagte der Vizepräsident und Konjunkturchef des Kiel-Instituts für Weltwirtschaft (IfW), Stefan Kooths. "Für 2023 wurde die Vorhersage dagegen von 1,9 auf 3,1 Prozent angehoben."

Scharfe Rezession

Bei einem sofortigen Stopp russischer Gaslieferungen sieht das Bild sehr viel düsterer aus. Dann dürfte die Wirtschaft heuer nur um 1,9 Prozent zulegen und 2023 sogar um 2,2 Prozent schrumpfen. "Bei einem Stopp der Gaslieferungen droht der deutschen Wirtschaft eine scharfe Rezession", warnte Kooths. In beiden Jahren stünden insgesamt 220 Milliarden Euro an Wirtschaftsleistung im Feuer.

Auch das heimische Wirtschaftswachstum könnte sich heuer durch den Ukraine-Krieg fast halbieren. Zu diesem Schluss kommt das Beratungshaus PwC. Während die großen heimischen Institute Wifo und IHS gegen Ende März noch einen BIP-Zuwachs von 3,9 bzw. 3,6 Prozent veranschlagt haben, halten die Berater von PwC – je nach Szenario – eine Abschwächung auf bis zu 2,3 oder sogar 2,0 Prozent für möglich.

Ersteres dann, wenn der Krieg in der Ukraine noch länger dauern sollte. Noch drastischer wären die Folgen, warnen die Berater, sollte es zu einer Blockbildung in Osteuropa zwischen Russland und verbündeten Staaten wie Belarus kommen.

Dazu kommt laut PwC ein weiteres Schreckensszenario: Das Stagflationsrisiko sei derzeit so hoch wie lange nicht. (red, 13.4.2022)