Was die Tutoren und Tutorinnen über das vielgepriesene Nachhilfe-Start-up Go Student erzählen, ist nicht schön. Sie fühlen sich ausgebeutet und schlecht behandelt. Angestellt sind sie bei der Plattform nicht. Die Junggründer haben sich kostspieliger Pflichten – Urlaube, Krankenstände, ordentliche Arbeitsumgebung und dergleichen – elegant entledigt. Die Nachhilfelehrenden sind sogenannte Freiberufler. Go Student sieht sich bloß als Vermittler.

Tutoren und Tutorinnen des Nachhilfe-Start-ups Go Student fühlen sich ausgebeutet und schlecht behandelt.
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Das haben wir alles schon gehört – bei Uber, Lieferando, Airbnb und wie all die neuen Dienstleister heißen. Sie nutzen Online-Plattformen, um Geschäfte zwischen Kunden und den eigentlichen Dienstleistern – oft schlecht bezahlten Tagelöhnern – anzubahnen und dafür zu kassieren. Mit lästigen Kleinigkeiten wie Arbeitszeitgesetzen, Arbeitsbedingungen oder Kollektivverträgen haben sie wenig bis gar nichts zu tun.

Deswegen gab und gibt es Kritik an den Plattformanbietern. Das ist gut so – und hat zu Verbesserungen geführt. Geschäfte in Cowboy-Manier soll es in Europa nicht geben. Auf EU-Ebene will man die Scheinselbstständigkeit angehen. Auch das ist richtig. Eines sollte man im Eifer aber nicht vergessen: Gäbe es Anbieter wie Go Student, Uber und Co nicht, wäre der Markt alteingesessenen Firmen mit schlechterem Service und höheren Preisen vorbehalten. Die Zustände müssen sich verbessern, aber die Neuen sorgen auch für gesunde Konkurrenz. (Regina Bruckner, 15.4.2022)