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Twitter wehrt sich mit einer sogenannten "Giftpille" gegen eine Übernahme durch Tesla-Chef Elon Musk. Der US-Konzern gab am Freitag die Auflegung eines häufig verwendeten Verfahrens bekannt, der Großinvestoren eine Erhöhung ihres Anteils erschweren soll. Die Regelung soll bis April 2023 gelten und greifen, wenn jemand ohne Zustimmung der Konzernführung die Kontrolle über 15 Prozent oder mehr der Aktien erhält. Der Plan "soll es allen Aktionären ermöglichen, den vollen Wert ihrer Investition in Twitter zu realisieren", hieß es in einer Mitteilung. Musk kontrolliert gegenwärtig gut neun Prozent der Twitter-Anteile.

Andere Interessenten

Insidern zufolge will Twitter sich einige Tag Zeit lassen, um direkt auf das Übernahmeangebot von Musk zu antworten. Dies werde vermutlich nicht am Wochenende geschehen. Eine Stellungnahme des Milliardärs lag zunächst nicht vor.

Auch von anderer Seite wurde Interesse an dem Kurznachrichtendienst bekannt. Die auf die Technologiebranche fokussierte Beteiligungsgesellschaft Thoma Bravo setzte Insidern zufolge Twitter darüber in Kenntnis, dass sie ein Gebot prüfe. Es sei unklar, wie hoch dieses sein könne und ob es zustande kommen werde, sagten die mit dem Vorgang vertraute Personen. Thoma Bravo lehnte eine Stellungnahme ab, ein Kommentar von Twitter lag nicht vor. Die Zeitung "New York Post" hatte am Donnerstag berichtet, dass die Private-Equity-Firma ein Gebot prüfe.

Andere Beteiligungsgesellschaften könnten ebenfalls ihren Hut in den Ring werfen. Die Branche verfügt dem Datendienst Prequin zufolge über 1,8 Billionen Dollar an Mitteln, die für entsprechende Investitionen genutzt werden könnten. Dabei ist nicht auszuschließen, dass eine Gesellschaft mit Musk gemeinsame Sache macht, statt ein Gegenangebot vorzulegen.

Letztes Angebot

Musk ist laut Forbes mit 265 Milliarden Dollar der reichste Mann der Welt. Er will Twitter für 41,4 Milliarden Dollar kaufen und von der Börse nehmen. Damit solle der Dienst in die Lage versetzt werden, das Potenzial als "Plattform für freie Meinungsäußerung auf der ganzen Welt" zu verwirklichen. Musk hatte in einem Brief an Twitter-Chairman Bret Taylor erklärt, das Unternehmen könne in der jetzigen Form weder gedeihen noch diese gesellschaftliche Aufgabe erfüllen.

"Mein Angebot ist mein bestes und endgültiges Angebot", schrieb Musk. "Und wenn es nicht angenommen wird, müsste ich meine Position als Aktionär überdenken." Später erklärte er, dass es einen "Plan B" gebe, sollte die Übernahme in dieser Form nicht gelingen. Einzelheiten nannte er nicht. (APA, 16.4.2022)