Mozart-Verkäufer sind schon seit Jahren fixer Bestandteil des Stadtbilds. Jetzt geht das Geschäft wieder richtig los.

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Wenn das Wetter wärmer wird und die Touristenströme Wiens schönste Plätze fluten, kehren auch die Mozart-Darsteller wieder ins Stadtbild zurück. Ticketverkäufer, die vor Staatsoper und Stephansdom Karten für Klassikkonzerte feilbieten, haben dann Hochsaison.

Die freundliche bis aufdringliche Art der Männer und Frauen in Kostüm darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich hinter den Kulissen ein harter Konkurrenzkampf zwischen mehreren Veranstaltern abspielt, der nicht nur auf der Straße, sondern mitunter auch vor Gericht ausgetragen wird. Im aktuellen Fall klagte das Schloss-Schönbrunn-Orchester, ein Konzertveranstalter, der mittlerweile 25 Jahren im Geschäft ist, einen jüngeren Konkurrenten.

Registrierkasse auf der Straße?

Das Schönbrunn-Orchester warf seinem Konkurrenten vor, dass er beim Verkauf auf der Straße keine Registrierkasse verwendet. Damit verschaffe er sich einen ungerechtfertigten Wettbewerbsvorteil. Zwar gebe es für wirtschaftliche Leistungen, die außerhalb der Betriebsstätte erbracht werden, eine Ausnahme; die Leistung an sich – gemeint ist das Konzert – finde aber sehr wohl innerhalb der Geschäftsräumlichkeiten statt.

Die Richterin am Oberlandesgericht Wien ließ sich von dieser Argumentation allerdings nicht überzeugen: Auch der Ticketverkauf selbst sei eine wirtschaftliche Leistung. Die Karten hätten "Wertpapiercharakter" – also einen eigenständigen Wert. Der Konzertveranstalter durfte sich daher auf den Ausnahmegrund für die Registrierkassenpflicht stützen und die Umsätze erst am Ende des Verkaufstages nachträglich erfassen.

Möglichkeit für Missbrauch?

Peter Hosek, Veranstalter des Schloss-Schönbrunn-Konzerte und Funktionär der Wirtschaftskammer Wien, kann die Entscheidung des Gerichts nicht nachvollziehen. "Wir sind nach wie vor der Rechtsansicht, dass man die Karte am Ort des Verkaufes registrieren muss", sagt Hosek. "Wenn man das wirklich erlaubt, steht dem Missbrauch bei allem, was auf der Straße verkauft wird, Tür und Tor offen."

Grundproblem sei, dass keine ordentlichen Belege ausgegeben werden. Aus Sicht von Hosek müsste die Finanz deshalb genauer hinsehen. "Meine Vermutung ist, dass die Karten, die auf der Straße cash verkauft werden, somit nicht in der Buchhaltung aufscheinen könnten." Der Konkurrent des Schloss Schönbrunn Orchesters war für den STANDARD nicht erreichbar.

Reglementierter Verkauf

Hosek selbst bietet mittlerweile keinen Straßenverkauf mehr an. Da immer mehr Verkäufer die Straßen fluteten, ist der Ticketverkauf auf öffentlichen Plätzen mittlerweile stark reglementiert. "Allerdings greift die Stadt Wien nicht ausreichend durch", bemängelt Hosek.

Vor der Corona-Krise waren bis zu elf Unternehmen gleichzeitig aktiv. Die Rückkehr des Tourismus dürfte jetzt auch das Geschäft der Mozart-Verkäufer wieder in Schwung bringen. "Die Stadt sollte heuer aktiv werden", sagt Hosek. "Langfristig schadet das sonst ihrem Image." (Jakob Pflügl, 24.4.2022)