Eine Buckelwal-Mama mit ihrem Kalb.
Foto: Paul Hilton / Greenpeace

Die Gesänge der Buckelwale zählen zu den bekanntesten Lautäußerungen im Tierreich. Obwohl die strophenhaften komplexen Hymnen als gut erforscht gelten, sind die riesigen Meeressäuger und ihre Laute immer noch für eine Überraschung gut: Wissenschafterinnen und Wissenschafter haben im Rahmen einer Expedition der Umweltschutzorganisation Greenpeace nun nämlich einen bisher unbekannten Buckelwal-Laut aufgezeichnet.

Merkwürdiger "Gunshot"

Unter welchen Umständen die Wale das kurze, von den Forschenden als "Schuss" ("Gunshot") bezeichnete Geräusch einsetzen, ist freilich unklar. Bei der Expedition wurden am Vema Seamount, einer Unterwasserregion im Atlantischen Ozean, 1.000 Kilometer vor der Küste Südafrikas, im Verlauf von elf Tagen insgesamt rund 600 Walrufe aufgezeichnet.

"Wir verstehen noch nicht ganz, was dieser neu entdeckte Ruf in der Kommunikation der Buckelwale bedeutet – aber es ist faszinierend, dass dieses unbekannte Geräusch erstmals dokumentiert wurde. Unsere Studie bestätigt, dass Wale die bergige Vema-Region auf ihrer langen Reise durchqueren und hier nicht nur auf Nahrungssuche sind, sondern auch ihre Kälber großziehen", sagte Kirsten Thompson von der Universität Exeter und Greenpeace International Research. "Seeberge sind reiche Lebensräume für viele wandernde Arten und müssen endlich umfassend geschützt werden", betonte die an der Projektleitung beteiligte Wissenschafterin.

Hauptsächlich Rufe von Müttern und Kälbern

Die Expedition fand im November 2019 statt. Dabei setzten Expertinnen und Experten der Universität Stellenbosch (Südafrika) und Exeter (Großbritannien) verankerte Hydrophone ein, um den Buckelwalen in dem Gebiet zu lauschen. Am häufigsten wurden Kontaktrufe zwischen Müttern und Kälbern aufgezeichnet, die den Tieren helfen, einander zu finden und auch beim Füttern zum Einsatz kommen. Dadurch konnte bestätigt werden, dass die Region ein wichtiger Futterplatz für Wale sei.

Das Gebiet um den Vema Seamount wurde nach seiner Entdeckung 1959 stark überfischt, berichtete Greenpeace. Heute ist die Region teils für die Fischerei gesperrt, dennoch gilt sie aufgrund ihrer einzigartigen Artenvielfalt als gefährdetes marines Ökosystem. "Die Hohe See galt lange als karge Region", erläuterte Lukas Meus, Meeresexperte bei Greenpeace in Österreich.

NGO fordert Hochseeschutzabkommen

Forschungen würden jedoch zeigen, "dass es darin vor Leben wimmelt". Wegen des Fehlens eines rechtlich bindenden, internationalen Abkommens zum Schutz der Hohen See sei es nicht möglich, das Gebiet rund um Vema zu schützen – "genau wie viele andere artenreiche Regionen und Wanderrouten auf Hoher See".

Im August ist die fünfte Verhandlungsrunde für ein UN-Hochseeschutzabkommen geplant. Die Umweltschutzorganisation und Wissenschafterinnen und Wissenschafter fordern, dass bis 2030 mindestens 30 Prozent der Meere unter starkem Schutz stehen müssen. (red, APA, 21.4.2022)