Giorgio Chiellini hört auf.

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Giorgio Chiellini hat ein besonderes Verständnis von Freude. "Es macht mich glücklich, Zweikämpfe zu gewinnen. Wenn ich einen gefährlichen Schuss blocken oder ein Tor verhindern kann, versetzt mir das einen Adrenalinschub", sagte er vor einem Jahr. Wenig später bescherte ihm diese Maxime den EM-Titel. Nun macht "Grande Giorgio" Schluss – zumindest im Nationalteam.

An der Stätte seines größten Triumphs tritt der 37 Jahre alte Kapitän im Juni ab: beim so genannten "Finalissima" gegen Argentinien im Londoner Wembley-Stadion. "Ich möchte mit einer schönen Erinnerung gehen", sagte Chiellini am Montagabend bei DAZN.

Doktor Chiellini

Schöner als die jüngste Erinnerung an das bittere Aus in den WM-Play-offs dürfte der Abschied allemal ausfallen. Das peinliche 0:1 gegen Nordmazedonien steckte dem Abwehrboss tief in den Knochen – die knallharte Analyse folgte sofort: "Wir haben seit September Fehler gemacht, dafür haben wir jetzt bezahlt. Wir sind gebrochen, am Boden zerstört."

Den Anlauf zurück aus dem Tal der Tränen müssen die Italiener ohne ihren Helden nehmen. Vielleicht, philosophierte er nach dem EM-Titel, genieße man das Gewinnen "mit 37 mehr, weil man weiß, was dahintersteckt".

Chiellini, seit 2017 Inhaber eines Doktortitels der Turiner Universität, hat schon immer (nicht nur) den Kopf hingehalten. Mehrfach brach er sich bei seiner Lieblingsbeschäftigung die markante Nase, bei der WM 2014 wurde seine Schulter zum Opfer der Beißattacke von Uruguays Luis Suarez.

Neun Meistertitel mit Juve

Auch im Klub ist er eine lebende Legende. Mit Juventus Turin holte Chiellini von 2012 bis 2020 neun Meistertitel sowie fünf Pokalsiege, trotz diverser Verletzungen bringt er es seit 2004 auf stolze 557 Pflichtspiele.

"Meine Liebe zu Juventus endet nicht, sie wird nie enden", sagte er am Montag. Ob er seinen 2023 auslaufenden Vertrag erfüllen wird, entscheidet sich aber erst nach der Saison.

In der Liga ist ohne Titelchance die Luft raus, am 11. Mai wartet mit dem Coppa-Italia-Finale gegen Inter Mailand noch ein großes Highlight – es könnte für Giorgio Chiellini das letzte sein. (APA, 26.4.2022)