Medikamente, die von Energetikern verschrieben werden, können in der Steuererklärung nicht so einfach geltend gemacht werden.

Foto: APA/HANS PUNZ

Wer krank ist und und viel Geld für Medikamente ausgeben muss, hat ein Recht auf steuerliche Entlastung. Patientinnen und Patienten können Kosten für ihre Therapie als "außergewöhnliche Aufwendung" bei der Berechnung der Einkommenssteuer geltend machen (siehe Wissen unten).

In der Praxis ist oftmals aber umstritten, wann eine Behandlung überhaupt notwendig und somit abzugsfähig ist. Bei Medikamenten, die von Ärztinnen oder Ärzten verordnet werden, ist das grundsätzlich der Fall – selbst bei Homöopathie. Grenzen gibt es laut einer aktuellen Entscheidung des Verwaltungsgerichtshof jedoch bei Präparaten, die von Energetikern verschrieben werden. (VwGH 30. 3. 2022, Ro 2020/13/0008)

"Unerwartete Besserung"

Ein Mann, schwer an Krebs erkrankt, machte in seiner Einkommenssteuererklärung Kosten für unterschiedliche Medikamente und Nahrungsergänzungsmittel geltend. Das Finanzamt erkannte jedoch nur einen Teil der Kosten an. Alternative Behandlungen seien zwar als außergewöhnliche Belastung absetzbar – allerdings nur dann, wenn sie ärztlich verordnet wurden. Aufwendungen, die von einem Bioenergetiker verschrieben werden – im aktuellen Fall ätherische Öle und andere Mittel –, können Patienten dagegen nicht geltend machen.

Das Bundesfinanzgericht sah das in zweiter Instanz allerdings anders: Die vom Bioenergetiker verordneten Nahrungsergänzungsmittel seien sehr wohl absetzbar. Der Mann habe die klassischen Chemotherapien nicht vertragen. Nachdem er sich an den Humanenergetiker gewandt habe, habe sich sein Gesundheitszustand deutlich verbessert.

Im aktuellen Fall war die Behandlung laut dem Bundesfinanzgericht also notwendig, was als Grund für eine Steuererleichterung reiche. Dass die Mittel nicht von einem Arzt oder eine Ärztin verschrieben worden sind, ändere daran nichts. Die Schulmedizin habe offenbar nicht zum Erfolg geführt, die Behandlung durch den Energetiker sei daher geradezu "alternativlos" gewesen.

Höchstgericht widerspricht

Die Richterinnen und Richter am Verwaltungsgerichtshof haben das in ihrer aktuellen Entscheidung nun aber anders gesehen: Damit Kosten geltend gemacht werden können, müssen sie "nachweislich notwendig" sein. Das könne sich entweder aus einer ärztlichen Verordnung ableiten oder daraus, dass die Krankenkasse die Kosten übernimmt.

Energetiker seien jedoch nicht dazu berechtigt, Medikamente zu verschreiben. Zudem sind sie laut dem Höchstgericht nicht in der Lage, die medizinische Notwendigkeit einer Maßnahme zu beurteilen, weil ihnen die Ausbildung dafür fehlt. (japf, 27.4.2022)