"In meiner 20-jährigen Russland-Erfahrung habe ich eines gelernt: Man soll nur auf einer Hochzeit tanzen. Daher sind wir Gazprom und unserer Zusammenarbeit verpflichtet und schauen nicht zur Seite."

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Wladimir Putin mit Rainer Seele. Im Hintergrund: Gazprom-Chef Alexej Miller.
Foto: AP / Sergei Karpukhin

Also sprach der damalige OMV-Chef Rainer Seele im Jahr 2018 in London. Der Deutsche Seele bekräftigte damit den totalen Schwenk des teilstaatlichen Mineralölkonzerns OMV in Richtung Russland und Gazprom. Der Film hieß ab dann nur: "Der mit dem Bären tanzt."

Seele wurde 2015 an die Spitze der OMV berufen, als der Industrielle Sigi Wolf, ebenfalls massiv mit russischen Interessen verbunden, Aufsichtsratspräsident der staatlichen Beteiligungsholding ÖIAG, heute Öbag, war. Seele machte die Diversifizierung seiner Vorgänger rückgängig und versuchte sogar, eine Beteiligung an der Nordsee-Gasförderung an die Gazprom zu verklopfen. Die norwegische Regierung verhinderte das.

Heute zittert Österreich um sein russisches Gas. Hat das niemand gesehen? Doch, Claus Raidl, einst Präsident der Nationalbank, hatte damals laut der Rechercheplattform Addendum gewarnt: "Der Expansionsdrang des Kremls ist die Fortsetzung historischer Interessen, die sowohl in der Sowjetunion als auch zur Zeit der russischen Zaren erkennbar waren. Wir Österreicher unterschätzen die Strategien, die dabei zur Anwendung kommen, und freuen uns, wenn einige Brösel abfallen." (Hans Rauscher, 28.4.2022)