Sieht RTR als "selbstbewussten, konstruktiven medienpolitischen Begleiter": Sebastian Loudon hat sich um die Führung der Rundfunk- und Telekomregulierung beworben.

Wien – Es geht um eine Schlüsselposition in Österreichs Medienlandschaft: Wer den Fachbereich Medien der RTR leitet, entscheidet über 56,5 Millionen Euro an Medienförderungen pro Jahr, 2022 sogar 90,5 Millionen. Die Bewerbungsfrist ist abgelaufen, das Medienministerium schweigt über die Zahl der Bewerbungen, aber einer deklariert sich auf STANDARD-Anfrage: "Datum"-Herausgeber Sebastian Loudon (48). Mit sehr ambitionierten Plänen für die RTR, die er als Kompetenzzentrum und Moderator für medienpolitische Weichenstellungen sieht.

2017 erstgereiht

Loudon bestätigt seine Bewerbung für den Job des RTR-Geschäftsführers. Es ist nicht seine erste: 2017 hat er sich um die Funktion beworben, im Hearing wurde er erstgereiht, der damalige Medienministerin Thomas Drozda (SPÖ) bestellte den langjährigen Chef des Wiener Presse- und Informationsdienstes (PID), Oliver Stribl. Zentrale Aufgabe des PID sind die umfangreichen Werbebuchungen der Stadt Wien. So konzentrierte sich Stribl auch als RTR-Chef auf die formellen Medienförderungen. Er wechselte nun in die Geschäftsführung der Wien Holding.

RTR-Bewerber Loudon kennt die RTR und das, was sie sein kann, von innen: Von 2002 bis 2007 war der Journalist und MBA-Absolvent der Berlin School of Creative Leadership als Assistent von Alfred Grinschgl die rechte Hand des prägenden Gründungsgeschäftsführers der RTR. Danach war Loudon noch Herausgeber der Branchenzeitung "Horizont" (in dem Job folgte ihm Stribl, bevor er zur RTR kam) und Repräsentant der "Zeit" in Österreich.

"Zeit" abgelaufen – und was bedeutet das für "Datum"

Die Funktion bei der "Zeit", schon einmal für seine RTR-Bewerbung 2017 unterbrochen, hat Loudon nun mit Ende April aufgegeben, erklärt er auf Anfrage. Was passiert mit dem Monatsmagazin "Datum", das ihm seit Frühjahr 2021 gehört, wenn er RTR-Chef wird? "Es ist klar, dass ich in diesem Fall keine operative Rolle mehr bei 'Datum' haben werde", sagt er. Und: "Für die Anteile wird es eine saubere Lösung geben." Wie die genau aussehen kann, will er noch nicht erklären.

RTR als Kompetenzzentrum für Branche und Politik

Loudon erinnerte zuletzt bei einer Branchendiskussion über die RTR-Führung und ihre Zukunft daran, dass die Rundfunk- und Telekomregulierung unter Alfred Grinschgl schon einmal Kompetenzzentrum und Moderator für große medienpolitische und Branchenentwicklungen war.

Der Umstieg – heute würde man vielleicht von einer Transformation sprechen – von analogem auf digitales Antennenfernsehen etwa wurde insbesondere mit großen Branchendiskussionen konzipiert, mit der Medienbehörde Komm Austria umgesetzt und gefördert. Loudon erinnert sich an die Einladung zum Weltkongress der Rundfunk- und Medientechnologie NAB in Las Vegas, wo er das österreichische Digitalisierungskonzept und seine Ergebnisse präsentierte.

"Ich möchte dieses Kompetenzzentrum wiederbeleben und ausbauen, als eine Art Thinktank für die Medienbranche und die Medienpolitik", erklärt Loudon seine Bewerbung. Er sehe die RTR als "selbstbewussten, konstruktiven medienpolitischen Begleiter, als Moderator für medienpolitische Entwicklungen".

Medienministerium schweigt

Das Medienministerium von Susanne Raab (ÖVP) im Kanzleramt will die Zahl der Bewerbungen für die Führung des Medienteils der RTR GmbH auf STANDARD-Anfrage nicht nennen. Nach STANDARD-Informationen wünscht sich Raab eine Frau an der Spitze der RTR. Einige als potenzielle Bewerberinnen gehandelte Branchenkennerinnen haben sich – nach teils unbestätigten STANDARD-Infos – nicht beworben, wie Corinna Drumm etwa, Geschäftsführerin des Privatsenderverbands VÖP, Wirtschaftskammer-Kommunikationschefin Eva Weissenberger, die ehemalige Österreich-Werbung-Geschäftsführerin Petra Stolba, die gerade wieder in den ORF-Publikumsrat bestellt wurde, oder die Public-Affairs-Leiterin des ORF, Christine Lackner.

STANDARD-Anfragen an weitere mögliche Bewerberinnen blieben zunächst unbeantwortet – etwa von Alexandra Beier-Cizek, Geschäftsführerin der Österreichischen Auflagenkontrolle, von Wolfgang Struber (Radio Arabella) und von Günther Zögernitz (Radio 88.6). (fid, 29.4.2022)