Teamchef Roger Bader verfolgt seit dem ersten Tag die Vision, Österreichs Eishackler zu einer Top-12-Nation zu formen.

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Wien – Es sind "sehr bedauerliche Umstände", die Österreichs Eishockeynationalmannschaft anstatt der B-WM in Ljubljana die Teilnahme an der WM der Elite von 13. bis 29. Mai in Finnland ermöglichen. Das betonten Verbandspräsident Klaus Hartmann, Teamchef Roger Bader sowie die Spieler Thomas Raffl und Manuel Ganahl im Rahmen eines Medientermins am Donnerstag in der Wiener Steffl-Arena zu Kagran. Doch die nach dem Ausschluss von Russland und Belarus erhaltene Chance will man nützen, um sich nach dem knapp verpassten Klassenerhalt bei der WM 2019 in Bratislava diesmal in der Top Division zu etablieren.

Um dies zu ermöglichen, setzt der ÖEHV auf ein intensives Vorbereitungsprogramm, das dem Standard der Topnationen entspricht, wie Bader betont. Schließlich geht es in Tampere als Nummer 17 der Weltrangliste in Gruppe B gegen Kapazunder wie Olympiasieger Finnland (1), die USA (4), Schweden (5) und Tschechien (7). Zudem warten die höher einzuschätzenden Letten (11) und Norweger (12) sowie im Schlüsselspiel am Ende Großbritannien (18).

Präsent mit Chance

Bader bezeichnet die Teilnahme an der A-WM als "Geschenk". "Jetzt wollen wir zeigen, dass wir in die A-Gruppe gehören. Wir wollen uns dort etablieren, das ist ganz klar das Ziel", sagt der Schweizer. Leise Zweifel am straffen Vorbereitungsprogramm versuchte er auszuräumen: "Was machen die Schweizer und Deutschen? Dort ist das normal. Wenn wir dort hinwollen, muss das bei uns auch normal sein. Oben zu sein ist eine Sache, aber deswegen sind wir noch nicht A-Klasse. Die flankierenden Maßnahmen müssen auch passieren, damit wir unser Ziel erreichen, eine Top-12-Nation zu sein." Denn dann müsse man nicht ständig um den Klassenerhalt zittern. "Ich weiß, was es braucht, eine Nation zur A-Nation zu entwickeln. Das setze ich seit dem ersten Tag und jeden Tag um. Da geht es manchmal nach vorne, manchmal gibt es Rückschläge, das ist bei allen Nationen gleich. Aber die Richtung stimmt", sagt Bader, der seit 30 Jahren im internationalen Spitzeneishockey und seit 2016 als Teamchef im ÖEHV engagiert ist.

Nach zwei Testspielniederlagen gegen Tschechien, einem Erfolg und einer Niederlage gegen Italien (16) wurden auch zwei Siege gegen Polen (22) verbuchte, ehe es am Donnerstag zum Auftakt der Euro Hockey Challenge in Kagran eine knappe 0:1-Niederlage gegen Schweden setzte. Das Bader-Team überraschte gegen den elffachen Weltmeister vor rund 3.500 Zuschauern in der Kagraner Steffl-Arena mit einem packenden und über weite Strecken ausgeglichenen Spiel. Ein Powerplay-Treffer von Linus Karlsson in der 46. Minute machte jedoch die Hoffnungen auf den ersten Sieg gegen das Dreikronenteam seit dem 2:1-Erfolg vor 75 Jahren zunichte.

Im Rahmen des Viernationenturniers folgen nun noch zwei Spiele in Ostrava gegen Finnland (Samstag, 12 Uhr) und erneut Tschechien (Sonntag, 16 Uhr), ehe in Schwenningen die Vorbereitung am 8. Mai mit einem Match gegen Deutschland abgeschlossen wird.

Hoffen auf Verstärkung

Bis dahin wird auch Schwedenlegionär Marco Kasper dabei sein. Der 18-jährige Stürmer ist mit Rögle im Halbfinale an Färjestads gescheitert, hat im Playoff mit drei Toren und drei Assists aufgezeigt. Nicht mitwirken wird Michael Raffl, der mit den Dallas Stars den Einzug ins NHL-Playoff schaffte. Ein Fragezeichen steht noch hinter Marco Rossi. Der 20-jährige Center verpasste zwar das Playoff in der AHL mit Iowa Wild, könnte aber in der entscheidenden Phase vom Farmteam ins NHL-Team von Minnesota Wild nominiert werden.

Nach dem flotten 4:0-Finalsieg mit den Salzburgern in der ICE-Liga stieß Kapitän Thomas Raffl früh dazu, um am Teamgefüge mit zahlreichen Neuen mitzufeilen. "Wir freuen uns enorm darauf und sind auf jeden Fall bereit", sagt der 104-fache Internationale. "Wir haben einen sehr guten Mix aus sehr talentierten jungen Spielern und Arrivierten. Das heißt es in Finnland aufs Eis zu bringen. Man darf aber nicht zu weit nach vorne blicken, wir schauen Schritt für Schritt und wollen es genießen. Eine solche Chance bekommt man nicht so oft", sagt Raffl. Man solle die Kirche freilich im Dorf lassen, man werde auch gegen die Topnationen das Beste geben, aber erst am Ende sehen, was rauskommt.

Der 111-fache Internationale Ganahl wies dezent darauf hin, dass man Underdog bei der WM sei. Wichtig sei, in den maßgebenden Spielen gegen Großbritannien, Norwegen und Lettland "die beste Leistung abzurufen, kompakt aufzutreten, unser System perfekt umzusetzen." Speziell gegen Norwegen und Lettland werde es herausragende Partien brauchen, auch Großbritannien werde eine Herkulesaufgabe. "Entscheidend wird sein, körperlich wie mental, mit dem Komplettpaket voll bereit zu sein."

Bei einem Turnier gehe es viel um das Momentum. "Das wollen wir in der Vorbereitung kontinuierlich aufbauen, wollen das Niveau an der internationale anpassen. Das geht nur im Team, wenn jeder mit an Bord ist, jeder bereit ist, alles zu tun. Dann wachsen wir zusammen und werden eine komplette Einheit, die von Spiel zu Spiel besser wird." (Thomas Hirner, 29.4.2022)