Der Direktor der Staatsoper: Bogdan Roščić hält den Umgang mit russischen Kulturschaffenden für ein "unglaubliches Bubble-Thema".

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Musik und Politik, der Umgang mit russischen Kulturschaffenden – das Thema beschäftigt Staatsoperndirektor Bogdan Roščić. Auch wenn er es für ein "unglaubliches Bubble-Thema", hält, an dem das Publikum "vollkommen desinteressiert ist", scheint ihm selbst deutliche Positionierung ein Anliegen zu sein.

Zu Stardirigent Teodor Currentzis und dessen Orchester MusicAeterna, das in St. Petersburg angesiedelt ist, aber von der sanktionierten VTB-Bank unterstützt wird, meinte Roščić: Es würden da innerhalb der Klassikszene "Rechnungen beglichen", und Currentzis bekomme davon etwas ab. Sein leicht ironischer Appell: "Liebe EU, hol dieses Orchester, diesen unfassbar guten Chor nach Europa! Befreie diese Künstler aus der Abhängigkeit!"

Er bewirbt sich

Allgemein gelte für die Wiener Staatsoper bezüglich Engagements, so der Direktor, der sich an der geplanten Ausschreibung für den Direktionsposten beteiligen wird ("Ich werde mich wieder bewerben"), was für alle Bundestheater gelte: Menschen, die sich mit dem russischen Angriffskrieg identifizierten, würden nicht engagiert. Anna Netrebko will Roščić engagieren, sie habe den Ukraine-Krieg klar verurteilt und habe einen aufrechten Vertrag für die Aida-Serie (ab 14. 1. 2023). Das Ganze wurde aber jetzt nicht angekündigt, da bei Drucklegung der Spielzeithefte die Situation verworren war.

Klar sind die großen Pläne der kommenden Saison, die Gustav Mahler gewidmet ist, dessen Amtsantritt als Direktor des Hauses sich im Herbst zum 125. Mal jährt. So wird die erste Premiere Von der Liebe Tod eine szenische Umsetzung von Mahlers Märchen-Kantate Das klagende Lied und seinen Kindertotenliedern sein (endlich mit Bassbariton Florian Boesch an der Staatsoper).

Wagner neu

Neu inszeniert werden auch Wagners Meistersinger von Nürnberg (Regie: Keith Warner) und Richard Strauss’ Salome (Regie: Franzose Cyril Teste, Malin Byström als Salome). Bei Mozarts Figaro führt wiederum Barry Kosky seine mit Don Giovanni begonnene Da-Ponte-Trilogie fort. Bei Monteverdis Il ritorno d’Ulisse in patria (Regie: Wieler und Morabito) spielt einmal nicht das Staatsopernorchester, sondern der Concentus Musicus. Magdalena Fuchsberger inszeniert wiederum Francis Poulencs Oper Dialogues des Carmélite.

Zu diesen sechs Neuproduktionen kommt eine Jugendoper-Premiere, Ludger Vollmers gleichnamige Adaption des Herrndorf-Romanerfolgs "Tschick", die ab 18. Dezember 2022 vor dem Eisernen Vorhang gespielt wird. Und das Staatsballett bringt zwei neue Premieren ans Haus, am 24. Oktober "Dornröschen" mit Musik von Tschaikowsky, dessen Choreografie Staatsballettchef Martin Schläpfer selbst gestaltet, sowie am 27. April 2023 den zweiteiligen Abend "Goldberg-Variationen", der aus "Tabula rasa" mit Musik von Arvo Pärt und dem titelgebenden Klavierwerk Bachs besteht.

Guter Klang

Im Vokalbereich? Ist fast alles da, was Substanz hat: u. a. Piotr Beczala, Juan Diego Flórez, Elīna Garanča, Asmik Grigorian, Günther Groissböck, Jonas Kaufmann, Nina Stemme und Bryn Terfel. Einige von ihnen waren auch in der noch laufenden Saison dabei, die der Direktor als "viel schwieriger als 2020/21" empfindet. Damals habe mit den vielen Lockdowns mehr Klarheit geherrscht. Dennoch würde man heuer – trotz Schließungen und der Absage des Opernballs – im geplanten Budget bleiben.

Stehplatz neu

Eine Neuerung gibt es auch bei der Anzahl der Stehplätze, so Geschäftsführerin Petra Bohuslav: Es wird ab Montag 449 geben. Mit der neuen Saison wird auch die Einheitlichkeit der Stehplatzpreise aufgehoben. Ab dann werden Plätze im Parterre 18 Euro kosten, jene auf dem Balkon 13 Euro. "Wir haben nicht nur zum Teil die teuersten Karten der Opernwelt, wir haben auch weiterhin die günstigsten", sagt Roščić. (Ljubiša Tošic, 30.4.2022)