Bei Alexa hört Amazon mit und erstellt daraus ein Profil für personalisierte Werbung.

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Das Phänomen ist bekannt. Man sucht bei Google oder einer anderen größeren Seite nach einem Produkt oder informiert sich zu einem Thema und bekommt dann tage- und wochenlang Werbeanzeigen dazu angezeigt. Besonders absurd und nervig ist es, wenn man bereits ein bestimmtes Gerät, Kleidungs- oder Möbelstück gekauft hat und dann noch ewig mit weiteren Vorschlägen bombardiert wird. Und zwar nicht nur auf Google oder Amazon, sondern auf allen Webseiten, die man besucht.

Viele wissen allerdings nicht, dass auch Gespräche mit Sprachassistenten für gezielte Werbung ausgewertet werden. Ein Forschungsteam unter der Leitung von Umar Iqbal von der University of Washington führte ein Experiment mit Amazons Alexa durch. Sie erschufen diverse fiktive Personen mit spezifischen Interessen wie Spiritualität, vernetzte Autos, Haustiere, Mode, aber auch Dating, Getränke und Gesundheit, die über Alexa "diskutiert" wurden.

Angepasste Werbung nach Interessen

Die Ergebnisse waren laut dem Forschungsteam eindeutig. Nach den Interaktionen mit der Sprachassistentin wurde den Figuren genau zu ihrem Interessengebiet Werbung ausgespielt. Diese war nicht auf die Amazon-Seite beschränkt, sondern zeigte sich auf etlichen anderen Seiten, die im Web besucht wurden. Der Studie zufolge wurden die Daten aus den Gesprächsprotokollen mit mindestens 41 externen Werbepartnern geteilt. Die gezielt ausgespielte Werbung soll bis zu 30-mal teurer verkauft werden als generische Anzeigen.

Nach Erscheinen der Forschungsergebnisse hat Amazon bestätigt, dass Gespräche, die über Alexa bzw. die Echo-Lautsprecher geführt werden, ausgewertet und für "relevante Anzeigen" auch auf anderen Webseiten verwendet werden. Gleichzeitig betonte Amazon gegenüber dem US-Techblog "The Verge", dass man persönliche Kundeninformationen nicht verkaufe und auch Alexa-Anfragen nicht mit Werbepartnern teile. Nutzerinnen könnten sich im Normalfall auch entscheiden, ob sie gezielte Werbung auf einer Plattform zulassen wollen oder nicht.

Smarte Lautsprecher sammeln Daten

Den Studienverantwortlichen ist das aber zu wenig. Sie kritisieren den intransparenten Umgang mit Gesprächsdaten smarter Lautsprecher. Weder das Sammeln noch das Auswerten, Teilen und Verwenden dieser Daten sei für Nutzer, aber auch unabhängige Forscherinnen nachvollziehbar. Sie sprachen in diesem Zusammenhang von einer "Black Box" ohne offene Schnittstellen. (step, 29.04.2022)