Zieht nach wie vor mit "Save America"-Veranstaltungen für Trump durch die USA: Polsterverkäufer Mike Lindell.

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Mike Lindell war eigentlich vorwiegend als Vertreiber für Kissen und andere Bettwaren bekannt. Doch während der Regierungsperiode von Donald Trump wurde er zunehmend zum Verbündeten und fast zu einer Art Sprachrohr für den Ex-US-Präsidenten und seine Bewegung. Dabei scheute er auch nicht davor zurück, jeder noch so absurden Verschwörungserzählung Auftrieb zu geben. Jene des angeblichen Wahlbetrugs, laut der Trump im November 2020 eigentlich einen Erdrutschsieg gefeiert hatte, der dank Manipulation zu einem Sieg von Biden umgekehrt wurde, ist aber mit Abstand seine Favorit.

Seine Beharrlichkeit in der Verbreitung von Desinformation brachte ihm im Jänner 2021 schließlich eine permanente Sperre auf Twitter ein. Damit reihte er sich in die Liste jener Personen – darunter auch Trump selbst – ein, die in den Monaten nach dem Sturm auf das Kapitol am 6. Jänner 2020 vom Netzwerk vor die Tür gesetzt wurden.

Als Reaktion darauf versuchte es der Geschäftsmann, der lange von Fox News regelmäßige Auftritte bekam, zuerst mit Werbeeinschaltungen und hoher Präsenz beim Rechtsaußen-Sender Newsmax. Und er rief unter dem Namen "FrankSocial" ein eigenes Social Network ins Leben, das sang- und klanglos in der Versenkung verschwand. Laut den Statistiken des Google Play Store verzeichnete die zugehörige App seit ihrem Start zwischen 100 und 500 Installationen, für Apples iOS existiert sie nicht.

Zehntausende Follower in kurzer Zeit

Vielleicht auch deswegen suchte er erneut sein Heil auf Twitter und legte sich am 1. Mai ein neues Konto an. "Hallo an alle, ich bin zurück auf Twitter. Mein einziger Account ist @MikeJLindell! Bitte retweetet und folgt mir, um die Kunde zu verbreiten!", richtete er in seiner ersten Botschaft aus. Dieser stellte er auch ein Video bei, in welchem er unter anderem vor gefälschten Konten in seinem Namen warnte.

Das Comeback verlief zuerst auch recht erfolgreich. Laut "Newsweek" folgten ihm nach rund fünf Minuten schon über 20.000 andere Nutzer. In weiterer Folge ist ein Anstieg auf 37.000 Follower dokumentiert.

Ein Screenshot von Lindells Comeback-Tweet aus dem Web-Archive.
Foto: web.archive.org/Twitter

Drei Stunden später

Die Freude währte allerdings nicht lang, denn Lindells Rückkehr auf die Plattform war auch der Moderation von Twitter nicht entgangen. Und da dort die permanente Sperre des Polsterexperten vom rechten Rand nie aufgehoben worden war, zog man die logischen Konsequenzen. Nach nicht einmal vier Stunden war auch Lindells neuer Account gesperrt. Im Web Archive ist eine Kopie des ersten Postings gesichert.

Naturgemäß war der Trump-Verbündete darüber nicht erfreut. Der TV-Sender RSBN befragte ihn bei einer "Save America"-Versammlung im Bundesstaat Nebraska. "Was für eine Schande", kommentierte Lindell seinen zweiten Bann: "Man sollte die Wahlmaschinen einschmelzen und daraus Gitterstäbe für Gefängnisse machen. Jack Dorsey sollte als Erster an der Reihe sein."

Dorsey ist Gründer und ehemaliger CEO von Twitter. Derzeit ist er noch Teil des Aufsichtsrates, aus dem er aber in den nächsten Wochen ausscheiden wird. Das Verwaltungsgremium hat kürzlich ein Kaufangebot von Elon Musk angenommen, der angekündigt hatte, Twitter von der Börse nehmen und mehr "Meinungsfreiheit" durchsetzen zu wollen. Einige Kritiker befürchten, dass der CEO von Tesla und SpaceX Trump und Co die Rückkehr auf die Plattform ermöglichen wird, wobei der Ex-Präsident bereits abgewunken hat, da er sich auf sein eigenes Social Network konzentrieren wolle.

Als ein Schritt zur Finalisierung des Deals fehlt noch die Zustimmung der Shareholder von Twitter. Manche Beobachter sind mittlerweile skeptisch, dass der Verkauf tatsächlich zustande kommt. Die Frist für die Übernahme läuft bis 24. Oktober. Sollte Musk einen Rückzieher machen oder die nötigen Mittel von 44 Milliarden Dollar nicht aufstellen können, so hat er sich vertraglich zur Zahlung einer Pönale von einer Milliarde Dollar verpflichtet. (gpi, 3.5.2022)