Österreichs Hotellerie macht sich zunehmend Sorgen, ausreichend und auch genügend motivierte Mitarbeiter rekrutieren zu können.

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Vor Beginn der Sommersaison hat sich in der heimischen Hotellerie nüchterner Realismus breitgemacht. War man bis Februar dank einer guten Wintersaison für den Sommer durchwegs optimistisch gestimmt, ist man seit dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine und dem Schub an Problemen, die damit einhergehen, nur mehr bedingt optimistisch.

Zu den Problemen, die beim Kongress der Österreichischen Hoteliervereinigung (ÖHV) am Dienstag diskutiert wurden, zählten unter anderem die steigenden Kosten. Nicht nur teure Energie macht Hoteliers zu schaffen, insbesondere wenn sie Swimmingpools und Saunen zu bespielen haben. Auch die steigende und wohl länger hoch bleibende Inflation, gepaart mit der Aussicht steigender Zinsen und damit teurer werdender Kredite, lässt viele sorgenvoll in die Zukunft blicken.

"Größte Baustelle"

"Genügend Mitarbeiter, das ist derzeit unsere größte Baustelle", sagte Walter Veit vor mehreren Hundert Kongressteilnehmern und Kongressteilnehmerinnen. Der Hotelier aus Obertauern (Hotel Enzian) mit Wiener Wurzeln ist im Jänner Michaela Reitterer (Boutiquehotel Stadthalle, Wien) nachgefolgt, die nach neun Jahren ÖHV-Präsidentschaft abgetreten ist. Zum Abschied gab es das Goldene Ehrenzeichen der Republik.

Eine aktuelle Umfrage der ÖHV unter ihren 1650 Mitgliedsbetrieben der Vier- bis Fünf-Sterne-Superior-Kategorie hat ergeben: Zwei Drittel investieren in Employer-Branding – sprich in die Unternehmenskultur, um sich als guter Arbeitgeber bzw. gute Arbeitgeberin abzuheben; 60 Prozent gaben an, Prozessabläufe zu optimieren, 56 Prozent sagten, sie hätten die Ausgaben für Weiterbildung erhöht bzw. entsprechende Maßnahmen in die Wege geleitet.

Angebote reduziert

Wie wichtig das ist, machte der ÖHV-Präsident an Folgendem fest: "Jeder dritte Betrieb muss Angebote reduzieren, jeder fünfte Teile seines Betriebs schließen, 18 Prozent hinterfragen ihr Geschäftsmodell. Warum? Weil Mitarbeiter fehlen."

Auf dieses Problem hat in der Vorwoche die Wirtschaftskammer aufmerksam gemacht. Der Mitarbeiterstand in der Branche sei im März 2022 um 2,6 Prozent unter dem Vor-Corona-Niveau (März 2019) gelegen. Pandemie-bedingt seien rund 35.000 Tourismusmitarbeiter in andere Branchen abgewandert. Einige Tausend dürfte allein die Hotellerie verloren haben, viele wohl auf Nimmerwiedersehen. Die Jugend von heute tickt anders und will Arbeit und Freizeit in Einklang bringen.

Bettenobergrenzen

"Eine echte, spürbare Entlastung der Arbeit" fordert Veit von der Politik. Hotelbetreibern wie Beschäftigten sollte am Ende des Tages mehr in der Geldtasche bleiben. Die Herausforderungen sind gewaltig. Laut einer Analyse der Prodinger Tourismusberatung heizen 80 Prozent der Hotels in Österreich nach wie vor mit Öl oder Gas. Erst durch die Energiekrise sei vielen klar geworden, dass sie rasch umrüsten müssen, sagte Geschäftsführer Thomas Reisenzahn dem STANDARD.

Derweil wird auch wieder über Bettenobergrenzen diskutiert. Tirol hat in dem 2021 vorgestellten Tourismusplan die Zahl 330.000 zu Papier gebracht. Derzeit gibt es knapp 280.000 Betten. Nun sucht man nach einer verbindlichen Lösung, wobei von maximal 300 Betten pro Betrieb die Rede ist. Touristiker Franz Hörl glaubt, dass diese Zahl ohnehin nie erreicht wird: "Die Luft ist draußen." (Günther Strobl, 3.5.2022)