Die Umweltökonominnen Daniela Kletzan-Slamanig und Angela Köppl schreiben in ihrem Gastkommentar, was es braucht, damit das Aus von Gasheizungen gelingen kann.

Worauf warten wir noch? Der Krieg in der Ukraine verdeutlicht, wie wichtig ein Ausstieg aus fossilen Energien ist. Die klimapolitischen Argumente liegen ohnedies auf dem Tisch. Es ist gut, dass nun über ein Vorziehen des Verbotes von Gasheizungen im Neubau diskutiert wird. Die große Herausforderung im Ersatz bestehender Wärme- und Warmwasserversorgungssysteme liegt aber in bereits bestehenden Gebäuden. Die Umsetzung des Ausstiegs aus Erdgas erfordert eine differenzierte Diskussion – je nachdem, ob es um den Neubau oder Gebäudebestand geht beziehungsweise um Ein- oder Mehrfamilienhäuser. Zudem spielt der regionale Aspekt eine Rolle.

Verbrauch reduzieren

Derzeit sind österreichweit etwa 900.000 Haushalte von Erdgas abhängig. Die regionale Verteilung zeigt jedoch einen klaren Überhang in den östlichen Bundesländern: Mehr als zwei Drittel aller Gasheizungen befinden sich in Niederösterreich und Wien. Betrachtet man den Anteil der Gasheizungen je Bundesland, zeigt sich, dass diese im Burgenland und in Niederösterreich jeweils etwa ein Viertel ausmachen, in Wien sogar knapp die Hälfte. Die indirekte Abhängigkeit von Erdgas über die Fernwärmeversorgung ist dabei noch nicht miteinbezogen.

Geht es nach den Plänen der Bundesregierung, dann sollen Gasheizungen in Neubauten bereits ab dem Jahr 2023 nicht mehr erlaubt sein.
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Für ein Ende dieser Abhängigkeiten ist idealerweise ein umfassender Ansatz zu wählen. Das heißt, zuerst eine Reduzierung des Energiebedarfs durch thermische Sanierungsmaßnahmen zu erreichen und in der Folge ein Heizsystem zu wählen, das auf den neuen Heizwärmebedarf abgestimmt ist. Zunächst sollte also unnötiger Energieverbrauch durch Gebäudedämmung reduziert werden. Das schafft die Voraussetzung für effiziente Heizsysteme, die für den geringeren Heizwärmebedarf ausgerichtet sind. Bei Einfamilienhäusern stehen dafür etwa Biomasseheizungen oder die Kombination von Wärmepumpen mit Photovoltaik zur Verfügung. Fern- oder Nahwärmenetze sind auf dem Land jedoch nur eingeschränkt als Alternative verfügbar.

Vielversprechend sind für den Mehrgeschoßwohnbau in Städten neben der Fernwärme auch innovative Konzepte, die nicht nur ein einzelnes Objekt betreffen, sondern den Fokus auf die Potenziale im Verbund mehrerer Gebäude oder eines Quartiers legen. Ein Beispiel ist das mit dem Staatspreis für Architektur und Nachhaltigkeit ausgezeichnete Sanierungsprojekt in der Geblergasse in Wien. Die Besonderheit dieses Projekts liegt darin, dass für einen gesamten Häuserblock mit gründerzeitlicher Bausubstanz eine Kombination von umfassender Sanierung und innovativem Energiesystem (solar- und geothermiebasiert) umgesetzt wurde. Damit wurde nicht nur die Abhängigkeit von fossiler Energie durchbrochen, sondern auch die Lebensqualität der Bewohnerinnen und Bewohner insgesamt erhöht, nicht zuletzt durch ergänzende Begrünungsmaßnahmen.

Weitreichende Eingriffe

Derartige Projekte setzen freilich weitreichende bauliche Eingriffe voraus und stellen hohe Anforderungen an die Planung und Konzeptionierung des Energiesystems. In einer Kostenbetrachtung, die nicht nur die Investitionskosten, sondern auch die reduzierten Energiekosten über die Lebensdauer berücksichtigt, zeigt sich auch, dass solche innovativen Konzepte durchaus wettbewerbsfähig sind. Umso mehr, wenn man mittel- bis langfristig weiter steigende Energiepreise annimmt. Für den urbanen Raum sollten schon umgesetzte Projekte als beispielgebend angesehen werden. Hier kommt auch den Städten für ihren eigenen Gebäudebestand eine Vorreiterrolle zu, um die Diffusion dieser Lösungen und auch die weitere Innovation voranzutreiben. Die Situation im Neubau ist aus mehreren Gründen einfacher. Einerseits ist der Energiebedarf in der Betriebsphase der Gebäude aufgrund der seit Jahren kontinuierlichen Anhebung der baurechtlichen Vorgaben generell niedriger. Andererseits gibt es hier mehr Spielraum, bereits in der Planungsphase alternative, für die jeweilige Situation angepasste Technologien für die Raumwärmeversorgung zu integrieren.

Niederschwellige Angebote

Während im Neubau der Verzicht auf Erdgas unmittelbar mit dem Ambitionsniveau der regulativen Vorgaben zusammenhängt, erfordert der Ersatz von rund 900.000 bestehenden Erdgasheizungen mehr Anstrengung und Zeit. Nicht immer und überall wird es möglich sein, die Umstellung des Heizsystems mit einer umfassenden Sanierung zu kombinieren oder gebäudeübergreifend umzusetzen. Hier ist es relevant, ein Standardisiertes Modell anzubieten, das den Ausstieg aus Erdgas für Eigentümerinnen und Mieter leicht umsetzbar macht. Dabei spielen Gemeinden, Wohnbauträger und ausführende Unternehmen eine zentrale Rolle. Ebenso wichtig wären niederschwellige Angebote für Eigenheimbesitzer, bei denen nicht nur Informationen über verfügbare Alternativen und Finanzierungsmodelle präsentiert werden, sondern auch die technische und bauliche Umsetzung aus einer Hand vermittelt wird.

Angesichts der Kumulation von klima- und geopolitischer Krise braucht es jetzt ein differenziertes und umfassendes Maßnahmenpaket. Auch der regionale Aspekt muss eine Rolle spielen. Der Erfolg beim Ausstieg aus fossilen Heizsystemen und beim Ausbau alternativer Technologien steht und fällt mit den regulativen Rahmenbedingungen. (Daniela Kletzan-Slamanig, Angela Köppl, 5.5.2022)