Auf eine Zinserhöhung um einen halben Prozentpunkt will Fed-Chef Jerome Powell bis Juli zwei weitere im selben Ausmaß folgen lassen.

Foto: AP Photo/Alex Brandon

Eine Teuerung von 8,5 Prozent in den USA – das ist für Jerome Powell, Chef der Notenbank Fed, "viel zu hoch". Folglich beschleunigte sein Haus am Mittwochabend die Gangart bei der Inflationsbekämpfung mit einem großen Zinsschritt um einen halben Prozentpunkt. Dass noch mehr Anhebungen folgen werden, daran ließ Powell keinen Zweifel. Denn der Leitzins in einer Spanne von nunmehr 0,75 bis ein Prozent wirkt noch wie ein zartes Pflänzchen neben der üppig wuchernden Inflation. Trotz des Ukraine-Krieges und Lieferkettenproblemen fußt das Wachstum Powell zufolge auf solidem Grund, sodass die US-Wirtschaft weitere Erhöhungen verkrafte.

Powell will rasch auf ein neutrales Zinsniveau gelangen, das die Konjunktur weder ankurbelt noch bremst. Dieses siedelt der Notenbankchef zwischen zwei und drei Prozent an – was mit weiteren Zinserhöhungen um je einen halben Prozentpunkt noch heuer zu erreichen wäre. An den Terminmärkten wird derzeit für das Jahresende mit einem Zinsniveau von mindestens 2,75 Prozent gerechnet. "Falls wir es für angemessen halten, werden wir nicht zögern, über neutral hinauszugehen", betonte Powell. Die nächsten Erhöhungen im Juni und Juli sollen je einen halben Prozentpunkt betragen, Zinsschritte im Dreivierteltakt wird es wohl nicht geben.

Der Entwicklung hinterher

Ein Blick in die Vergangenheit nährt jedoch den Verdacht, dass die Fed der Entwicklung bereits hinterherläuft und im Endeffekt umso heftiger auf die geldpolitische Bremse treten muss. Als sich die Währungshüter im Frühjahr 2000 zuletzt zu einem so großen Zinsschritt berufen fühlten, erhöhten sie den US-Leitzins auf beachtliche 6,5 Prozent bei einer Inflation von bloß etwas mehr als drei Prozent.

Im Jahr 1981, also vor mehr als vier Jahrzehnten, lag die Teuerung zuletzt bei 8,5 Prozent. Damals musste die US-Notenbank mit zweistelligen Leitzinssätzen ganz andere Geschütze auffahren, um den allgemeinen Preisauftrieb wieder zu bändigen. Wohl folge eine schwere Rezession, bevor sich die Wirtschaft wieder erholte. Dies will Powell zwar diesmal verhindern. Ob dies, wie vom Notenbankchef erwartet, gelingt, bleibt abzuwarten. Denn Zinserhöhungen entfalten ihre bremsende Wirkung auf Inflation und Wirtschaft erst mit etlichen Monaten Verzögerung.

Schneller wirksam

Schneller wirksam wird der Abbau der auf etwa neun Billionen Dollar aufgeblähten Bilanz der US-Notenbank. Dazu wird sie die Wertpapierbestände, die sie durch ihr Corona-Notprogramm angehäuft hat, abschichten und so dem Wirtschaftskreislauf Liquidität entziehen. Beginnen soll das Manöver im Juni im Ausmaß von 47,5 Milliarden Dollar pro Monat, das ab September verdoppelt werden soll.

"Die Fed demonstriert, dass sie es nunmehr wirklich ernst meint damit, den Inflationsgefahren geldpolitisch entgegenzutreten", sagt der deutsche LBBW-Ökonom Elmar Völker. Kein Zweifel besteht auch bei der Bank of England, die bereits im Dezember bei einer Inflation von damals 5,1 Prozent das erste Mal die Zinsen erhöhte. Am Donnerstag legte sie mit dem vierten Zinsschritt auf nunmehr ein Prozent nach.

Widersprüchliche Aussagen

Zögerlich trotz 7,5-prozentiger Teuerung im Euroraum bleibt die Europäische Zentralbank (EZB). Diese Woche kamen widersprüchliche Aussagen über eine mögliche Zinsanhebung im Juli. EZB-Direktorin Isabel Schnabel hält dies für möglich, ihr italienischer Kollege Fabio Panetta hält dies jedoch für unklug. Daher gibt Otmar Lang, Chefvolkswirt der Targobank, der US-Notenbank gute Noten bei der Bekämpfung des Preisauftriebs – und richtet den Währungshütern unter Chefin Christine Lagarde aus: "Die EZB sollte sich daran ein Beispiel nehmen: Frau Lagarde, so geht das!" (Alexander Hahn, 5.5.2022)