In den typischen Anbaugebieten der Olive setzen den Pflanzen zunehmend Dürren und Parasiten zu. Durch Klimaveränderungen könnte ihr Anbau dafür in Regionen denkbar werden, die bislang zu kühl dafür waren.

Foto: Getty Images / duckbay

Es ist ein besonders schmeichelhafter Beiname, den Olivenöl trägt: flüssiges Gold. Diese Bezeichnung weist einerseits auf die positiven Eigenschaften des Öls für die Gesundheit hin. Andererseits unterstreicht sie den besonderen Stellenwert, den die kleine runde Steinfrucht und die aus ihr gewonnenen Produkte in den Anbauregionen haben. Wie Forschende der Uni Innsbruck kürzlich herausfanden, wird die Olive schon seit rund 100.000 Jahren vom Menschen genutzt.

Allerdings war sie zu dieser Zeit noch verhältnismäßig selten. In erster Linie kam sie an der Atlantikküste Marokkos und im Süden der Iberischen Halbinsel vor. Mittlerweile wird sie überall angebaut, wo das Klima es erlaubt. Mit steigender Erderwärmung könnte das auch bei uns der Fall sein. Das 2019 als Verein gegründete Start-up Agro Rebels, das etwaige Chancen des Klimawandels nutzen will, sagt ihr eine leuchtende Zukunft voraus.

Rebellen der Landwirtschaft

Ihr Ziel ist es, österreichische Landwirtinnen und Landwirte bei der Bewältigung des Klimawandels zu unterstützen, und zwar mithilfe von Obst- und Gemüsearten, die zwar in wärmeren Gefilden beheimatet sind, im Zuge steigender Temperaturen aber auch bei uns angebaut werden können. Das Gründungsteam umfasst den Physiker und Pflanzenbauer Markus Fink, den Soziologen Daniel Rössler und den Betriebswirt Lukas Hecke. Seit kurzem ist mit Max Simhirt ein Praktiker mit olivenspezifischer Erfahrung an Bord: Er betreibt einen Olivenhain in Spanien.

Olivenhaine können nach Überzeugung der Agro Rebels aber auch in (Ost-)Österreich entstehen, und zwar schon jetzt – es braucht nur die richtige Sorte. Die will allerdings erst einmal gefunden beziehungsweise gezüchtet werden. Denn: "Die Olive stößt in Österreich an die Grenzen dessen, was sie klimatisch aushält", erklärt Fink. Dabei ist das für eine mediterrane Pflanze gar nicht so wenig.

Ziemlich hart im Nehmen

Viele Sorten überleben Phasen von etwa minus 14 Grad Celsius ohne größere Probleme. Allerdings hängt die Widerstandskraft gegen Kälte noch von diversen anderen Bedingungen ab: Auch Feuchtigkeit, Windverhältnisse sowie Alter und Eingewöhnung der Pflanzen spielen eine Rolle. Nach einzelnen Versuchsflächen in fünf Bundesländern haben die Agro Rebels letztes Jahr einen Forschungshain im Burgenland errichtet. Dort stehen Olivenbäume unterschiedlicher Altersklassen von 15 verschiedenen Sorten aus fünf Ländern. Die Idee ist, ertragreiche Sorten mit sehr kälteresistenten zu kreuzen, um die erste österreichische Olive zu erhalten, sagt Rössler.

Im Vorjahr wurde das Projekt im Rahmen der FFG-Initiative "Impact Innovation" gefördert. Dabei ergab sich auch eine Zusammenarbeit mit dem Institut für Wein- und Obstbau der Universität für Bodenkultur (Boku) Wien, für die die Olivenforschung auch Neuland ist. Wichtig für die künftige Österreich-Olive ist, dass die Kreuzungspartner selbstfruchtende Sorten sind, also imstande sind, sich selbst zu bestäuben. Andernfalls brauchen sie einen genetisch unterschiedlichen Partnerbaum, und viele infrage kommende Sorten sind höchstens bis etwa minus sechs Grad frostresistent.

Gemeinsame Produktion

Außerdem müssten die Bäume dann zur selben Zeit blühen, was in Österreich durchaus nicht vorausgesetzt werden darf. Was das Alter der Pflanzen betrifft, haben sich in Vorversuchen vor allem zwei bis vier Jahre alte Exemplare bewährt, denn diese sind einerseits erwachsen genug, um eine gewisse Widerstandsfähigkeit zu haben, andererseits jung genug, um sich noch an die harscheren Bedingungen hierzulande anzupassen.

Rund 500 Olivenbäume haben die Agro Rebels bis jetzt selbst gepflanzt – weitere 1.200 werden derzeit gemeinsam mit zehn Partnerbauern in vier Bundesländern gesetzt, deren regionale Klimadaten zuvor analysiert wurden. In erster Instanz sollen die teilnehmenden Betriebe Ess-Oliven produzieren, doch das eigentliche Ziel ist die Herstellung von österreichischem Olivenöl. Damit sich das bezahlt macht, braucht es mindestens 1.000 Bäume. Ziel der Agro Rebels ist es deshalb, eine gemeinsame Produktion aufzubauen.

Olivenöl made in Austria

"Wenn jeder für sich selber arbeitet, wird es schwierig", sagt Rössler, dem mittelfristig eine Kooperative vorschwebt. In jedem Fall sei "das Interesse der Landwirte enorm", freuen sich die Agro Rebels. De facto ist die Nachfrage so groß, dass derzeit keine neuen Teilnehmer aufgenommen werden können. Erst nächstes Jahr sollen wieder Kapazitäten frei werden. Der Markt für Olivenöl ist dabei ausbaufähig: Während in Griechenland rund 15 Liter Olivenöl pro Person und Jahr verbraucht werden, liegt der jährliche Pro-Kopf-Verbrauch in Österreich gerade einmal bei rund 1,2 Litern.

Aber "der Handel ist sehr an einem regionalen Produkt interessiert", sagt Rössler. Zudem gibt es in den klassischen Anbaugebieten bereits Probleme mit zunehmenden Dürren und Parasiten, die es bei uns (noch) nicht gibt. Ab wann mit einer österreichischen Marke zu rechnen ist, lässt sich noch nicht sagen, aber die Agro Rebels bleiben gelassen: "Der Olivenbaum lehrt uns Geduld", sagt Rössler. (Susanne Strnadl, 12.5.2022)