"US-Präsident Donald Trump tweetet ...", begannen die Meldungszeilen in den Agenturen zumeist – und was dann folgte, sorgte nicht selten für Kopfschütteln. Trump nutzte während seiner Präsidentschaft das soziale Medium, um Politik zu machen. Aber, und das ist das Problem, nicht nur. Bevor seine Anhänger am 6. Jänner 2021 einen Putsch gegen den Wahlsieg Joe Bidens versuchten, ermunterte sie der damals amtierende Präsident in Tweets kaum verhüllt zu Gewalt. Dann wurde er gesperrt – und nun herrscht Ruhe.

Trump nutze Twitter zum Aufruf zur Gewalt.
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Und damit wiederum soll es nun vorbei sein. "Moralisch falsch und extrem dumm" nennt Elon Musk, der um Milliarden Twitter kaufen will, den Entscheid. Twitter habe viele User entfremdet, Trumps Einfluss dennoch nicht gebrochen.

Twitters Zögern machte Trump erst stark

Tatsächlich scheint Trump das Sprachrohr Twitter mittlerweile nicht mehr zu brauchen, um im Gespräch zu bleiben. Aber: Dass die Firma einst nicht viel stärker gegen Hassrede vorging, hat es ihm erst mit ermöglicht, groß zu werden. Es kann auch den nächsten Trump ermöglichen. Das ist das eine.

Das andere ist das viel breitere Problem, bei dem es nicht nur um Trump, sondern auch um noch radikalere Stimmen geht – und, das zeigt die Corona-Pandemie, auch einfach um schamlose Lügner. Ihr tausendfaches Auftreten in sozialen Medien hat Folgen, und sind sie zahlreich genug, wird ihnen oft geglaubt. Lässt Musk sie schalten und walten, wird das Folgen haben – nicht nur in der Politik, auch im täglichen Leben. (Manuel Escher, 11.5.2022)