Der kleinbürgerliche Traum vom Einfamilienhaus rückt für viele mittelständische Haushalte in weite Ferne.

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2018, bei der Veröffentlichung der ersten Ausgabe dieses Rechners, nannten wir die Mittelschicht eine "bedrohte Art". Mit dem Update 2019 wurde sie zur "bedrohten Spezies". Heute scheint der Mittelstand tatsächlich bedrohter denn je. Die Energiepreise steigen erbarmungslos, die Inflationsspirale rotiert, und man hört von Haushalten, die lange nicht als armutsgefährdet galten, nun aber die Angebote von Tafeln und Sozialmärkten beanspruchen müssen.

Vor wenigen Tagen hat die Statistik Austria die Einkommensdaten aus der EU-SILC-Erhebung (Statistics on Income and Living Conditions) für das Jahr 2021 veröffentlicht. Wir haben den Mittelstandsrechner mit den neuen Zahlen bestückt, damit Sie sich ein Bild machen können, wo Sie heute stehen.

Geben Sie das monatliche Nettoeinkommen Ihres gesamten Haushalts in das vorgesehene Feld ein. Achtung: Einkommen meint hier nicht nur, was am Monatsende auf dem Gehalts- oder Lohnzettel steht. Auch Einmalzahlungen, Familienbeihilfe und das gesamte übrige Sozialnetz, Dividenden, Miet- oder Pachteinnahmen, geldwerte Geschenke und vor allem die günstiger besteuerten 13. und 14. Monatsgehälter zählen dazu. Um letztere zu berücksichtigen, ermitteln Sie am besten mit einem der Brutto-netto-Rechner im Netz ihren Jahresnettobezug und teilen Sie ihn durch zwölf.

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Rechenbeispiel: Familie Schmidt
Mutter Andrea verdiente 2021 als Volksschullehrerin im 25 Kilometer entfernten Ort 25.000 Euro netto, inklusive Urlaubs- und Weihnachtsgeld. Die kleine Pendlerpauschale bringt ihr rund 300 Euro. Ihr Ehemann Bert arbeitet unregelmäßig als selbstständiger Grafikdesigner. Nach seiner Steuererklärung blieben ihm im Vorjahr 12.000 Euro netto. Für ihre elfjährige Tochter Christina bezog das Paar staatliche Familienunterstützung in Höhe von 2.400 Euro. Christina hat zum Geburtstag 300 Euro von der Oma bekommen. Der dreiköpfige Haushalt kam 2021 also auf 40.000 Euro. Damit hatte die Familie Schmidt ein aufgeschlüsseltes Haushaltseinkommen von gut 22.000 Euro. Die Schmidts zählten damit zur unteren Mittelschicht.

Wer konkret zur Mittelschicht gehört, ist Definitionssache. Laut OECD zählen die oberen und die unteren 20 Prozent der Haushalte nicht dazu, der Rest schon. Oft wird die Mittelschicht noch unterteilt. Jene Haushalte zwischen 30 und 50 Prozent fallen in die untere, jene zwischen 50 und 80 Prozent in die obere Mittelschicht.

2021 musste man demnach in Österreich in einem Haushalt mit einem jährlichen Äquivalenzeinkommen zwischen 18.647 und 38.311 Euro netto leben, um Teil der Mittelschicht zu sein. Der Median lag bei 27.428 Euro (das heißt, die Hälfte der Betroffenen verfügt über mehr als diesen Betrag, die andere Hälfte über weniger).

Was heißt das jetzt?

Doch halt! Was bedeutet Äquivalenzeinkommen? Nun, der Vergleich von Haushalten erschwert sich durch den Sachverhalt, dass sie sich in ihrer Zusammensetzung stark unterscheiden können. Ein Einpersonenhaushalt mit 20.000 Euro netto im Jahr steht am Ende des Monats vielleicht nicht schlechter da als eine Familie, die mit 50.000 Euro zwei Erwachsene und drei Teenager versorgen muss. Dennoch würde der Singlehaushalt zu den ärmeren Haushalten zählen und die Familie zu den wohlsituierteren.

Aus diesem Grund hantieren Statistiker oft mit dem Äquivalenzeinkommen. Dabei fließt in die Gleichung mit ein, wie viele Personen über und unter 14 Jahren in einem Haushalt leben, und es wird nach einem gewissen Schlüssel berücksichtigt, wie sich so eine Konstellation auf die Einnahmen und Ausgaben auswirkt. Auf dieser Überlegung basiert auch unser Rechner, deshalb wird nach der Zusammensetzung Ihres Haushalts gefragt.

Teils große Unterschiede in den verschiedenen Gruppen

Wie das Äquivalenzeinkommen für Menschen in Haushalten nach verschiedenen sozioökonomischen Merkmalen ausschaut, können Sie dem folgenden Diagramm entnehmen. Die Merkmalsgruppen lassen sich über das Dropdown-Menü auswählen.

Wenig überraschend steht Menschen mit Universitätsabschluss auch in den unteren Einkommensgruppen überdurchschnittlich viel Geld zur Verfügung, ebenso der Alterskohorte 50 bis 64 Jahre (ehe die Beträge im Ruhestand wieder abnehmen).

Finanziell besonders privilegiert ist man auch in der Gruppe "Mehrpersonenhaushalte ohne Kinder", also den von Soziologen gern so genannten Dinks ("double income, no kids"). Selbst die "ärmsten" zehn Prozent dieser Gruppe verfügen über ein Äquivalenzeinkommen von 17.300 Euro. Mit einem so "hohen" Betrag würde man in der minderprivilegierten Gruppe der Einelternhaushalte bereits zur Mittelschicht gehören.

Und wo stehen Sie? Lassen Sie uns im Forum wissen, ob Sie Ihre Position richtig eingeschätzt hätten. (Michael Matzenberger, Sebastian Kienzl, Robin Kohrs, 15.5.2022)