Weil alles teurer wird, sinken Österreichs Reallöhne deutlich.

Foto: AGUSTIN MARCARIAN/Reuters

Glaubt man der neuesten Wirtschaftsprognose des Wirtschaftsforschungsinstituts (Wifo) in Wien, müssen die Österreicherinnen und Österreicher heuer den Gürtel ordentlich enger schnallen. Die Reallöhne im Land werden heuer stark absacken. Konkret rechnen die Ökonomen mit einem Rückgang der Bruttolöhne und -gehälter von 2,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Es wäre der höchste Reallohnverlust seit dem Jahr 1955, als die Aufzeichnungen begonnen haben.

Das bisher beste Jahr war 1971

Das bisher schlechteste Jahr war 2011 mit einem Minus von 1,4 Prozent – doch dieser Negativrekord dürfte aller Voraussicht nach heuer eingestellt werden. Das beste Jahr war übrigens das Jahr 1971; damals gab es ein Plus von 7,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Die Entwicklung der Reallöhne sagt aus, wie viel der oder die durchschnittliche unselbstständig Beschäftigte mehr (oder weniger) verdient als im Vorjahr – bereinigt um die Inflation. Ebendiese Inflation ist der Grund für die derzeit deutlich negative Reallohnentwicklung. Wenn man die Inflation nämlich nicht berücksichtigt, sehen Österreichs Löhne gar nicht schlecht aus: Bei den nominellen Löhnen gibt es 2022 ein Plus von voraussichtlich 3,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Im Jahr 2023 könnte es wieder besser aussehen

Weil aber die Inflation im Land derzeit äußerst hoch ist – im vergangenen April etwa lagen die Preise laut Statistik Austria um 7,2 Prozent höher als im April 2021 – liegt der Reallohn bei minus 2,3 Prozent. Sprich: Die Österreicher verdienen nominell zwar etwas mehr Geld als im Vorjahr, können aber wegen höherer Preise deutlich weniger Dinge dafür kaufen.

Das Wifo prognostiziert in seinem aktuellen Bericht darüber hinaus, wie die Entwicklung der Reallöhne im kommenden Jahr 2023 voraussichtlich aussehen wird. Demnach ist nächstes Jahr wieder mit einem Plus zu rechnen, konkret einem von 1,6 Prozent. Im Vergleich zur Prognose für heuer ist jene für nächstes Jahr allerdings mit höheren Unsicherheiten behaftet. (Joseph Gepp, 13.5.2022)