Um junge Menschen für eine technische Lehre zu begeistern, müssten Maßnahmen früher ansetzen, sagt der Salzburger Landesinnungsmeister Andreas Rotter.

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"Wir probieren wirklich alles – und das gilt nicht nur für unsere Branche, sondern für Lehrbetriebe in jedem Handwerk", sagt Andreas Rotter, Landesinnungsmeister der Salzburger Sanitär-, Heizungs- und Lüftungstechniker. Seit 40 Jahren sei er "Installateur aus Leidenschaft", wie er selbst sagt. Der fehlende Nachwuchs in der Branche beschäftigt den 55-Jährigen auch in seiner Funktion als Obmann des Vereins Zukunftsforum SHL, eines Zusammenschlusses von Österreichs Installateuren.

Gemeinsam hätten er und andere Betriebe unterschiedliche Initiativen ergriffen, um die Jungen für sich zu gewinnen. Gefruchtet hätten ihre Bemühungen bislang aber nicht: "Wenn wir in die Schulen kommen, interessiert sich niemand dafür – egal ob Mittelschule, Gymnasium oder HTL." Auch Maßnahmen auf Social Media und Landingpages mit Informationen rund um die Lehre seien wenig erfolgreich. Bei Berufsmessen würden sich Eltern und Jugendliche lieber bei Bildungseinrichtungen als bei Ausbildungsbetrieben informieren.

Grüner Job

Das Desinteresse stößt bei ihm auf Unverständnis. Die Branche habe sich in den letzten Jahren stark verändert, und es würden immer wieder neue Bereiche hinzukommen, die vor allem für die Klimaziele relevant sind – zum Beispiel die Umstellung auf umweltfreundliche Heizsysteme. Weiterbildungsmöglichkeiten und Jobsicherheit seien dadurch ebenfalls gegeben. Rotter sieht den Installateurberuf als innovativ, zukunftsfähig und klimafreundlich – also eigentlich genau das, was vielen Jungen laut Umfragen besonders wichtig ist.

In einer aktuellen Studie im Auftrag des Verbands Österreichischer Entsorgungsbetriebe zeigten 43 Prozent der 1500 Befragten zwischen 14 und 69 Jahren Interesse an einem sogenannten Green Job. Die EU-Definition für grüne Jobs ist breitgefasst, darunter fallen alle Arbeitsplätze in der Herstellung von Produkten und Technologien sowie Dienstleistungen, die Umweltschäden vermeiden und natürliche Ressourcen erhalten. In der Gruppe der 14- bis 18-Jährigen lag der Anteil der Interessierten mit 60 Prozent sogar noch höher. Doch warum bleibt der Ansturm auf Lehrberufe mit Nachhaltigkeitsaspekt aus?

Der Vereinsobmann zieht aus seinen Beobachtungen folgenden Schluss: "Die Lehre zu bewerben greift zu kurz. Wir müssen früher ansetzen." Ein großes Problem sei seiner Meinung nach, dass das Handwerk in den Lehrplänen fehlen würde. Wenn Rotter sich an seine Schulzeit zurückerinnert, habe er immer gerne geschraubt und gebaut. Doch auch abseits des Unterrichts sei er durch den elterlichen Installateurbetrieb schon früh mit dem Lehrberuf in Berührung gekommen.

Fehlendes Personal

Das schlechte Image der Lehre komme auch durch die Eltern, meint der Vereinsobmann. "Die sagen, ihre Kinder sollen es einmal besser haben, und meinen damit ein Studium. Dass man als Handwerker oder Techniker einen sicheren Job mit gutem Gehalt hat, sehen viele nicht." Das Einstiegsgehalt als Installateur beginne im Schnitt bei 2200 netto pro Monat. Auch der Fokus auf Freizeit, der unter den Jungen stark ausgeprägt sei, wäre im Job möglich: "Wir sind jetzt schon sehr flexibel. Auch eine 30-Stunden-Woche wäre kein Problem."

Schwere Arbeiten, die der Job früher mit sich brachte, gebe es praktisch nicht mehr. Die Demontage von alten Vorrichtungen würde beispielsweise von externen Firmen übernommen. Hinzu kommt, dass der Beruf seiner Meinung nach mit Erfüllung verbunden sei: "Wenn ich am Abend nach Hause gehe, meine Aufgaben beim Kunden erledigt sind, dann ist das ein Erfolgserlebnis. Und dieses Gefühl habe ich auch nach 40 Jahren. Was gibt es besseres?"

Dass der Job viel zu bieten habe, davon ist Rotter überzeugt. Sein Wunsch sei, dass die Jungen von selbst kommen: "Weil sie denken, da kann ich etwas erreichen und zu den Klimazielen beitragen. Arbeit gibt es schließlich genug, nur die Leute fehlen." (Anika Dang, 14.5.2022)