Viele Bürger der 25-Millionen-Metropole Schanghai sind nach dem wochenlangen Lockdown mit ihrer Geduld am Ende.

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Schanghai – In Schanghai haben die Behörden nach einem wochenlangen strengen Lockdown allmähliche Lockerungen in Aussicht gestellt. So könnten Einkaufszentren und Friseursalons wieder öffnen, sagte der Vize-Bürgermeister der 25-Millionen-Einwohner-Stadt, Chen Tong, am Sonntag. Kaufhäuser und Supermärkte sollten Kunden in "geordneter Weise" das Shoppen ermöglichen. Für Friseure und Gemüsemärkte seien begrenzte Kapazitäten vorgesehen.

Am Montag sagte der Bürgermeister der Stadt, Zong Ming, in einer Online-Pressekonferenz, dass 15 der 16 Bezirke der Stadt den Status "Null-COVID-Fälle außerhalb der Quarantänegebiete" erreicht haben. Daher will er die Stadt in größerem Umfang wieder öffnen und ab dem 1. Juni wieder ein normales Leben in Schanghai ermöglichen.

Bürger reagieren kritisch

Viele Bürger der Wirtschaftsmetropole reagierten in Online-Netzwerken skeptisch. "Wen lügt ihr an? Wir können nicht einmal unser Grundstück verlassen", schrieb beispielsweise ein Nutzer aus Schanghai beim chinesischen Twitter-Pendant Weibo. Seit Wochen dürfen die Einwohner der Stadt nur das Nötigste kaufen, Online-Käufe können nicht mehr ausgeliefert werden, weil Kuriere zuhause bleiben müssen und damit Firmen nicht zur Verfügung stehen.

Schanghai und ganz China haben im Vergleich mit vielen anderen Ländern geringe Infektionsfälle, aber die strengsten Anti-Corona-Maßnahmen. Diese Strategie kritisiert mittlerweile auch die Weltgesundheitsorganisation WHO als nicht nachhaltig. Die Wirtschaft im Land muss dafür einen Preis zahlen, auch wichtige Handelspartner spüren negative Auswirkungen, weil Lieferketten nicht mehr funktionieren. Die Regierung in Peking verteidigt die Null-Covid-Strategie: sie wolle so viele Leben wie möglich retten. Änderungen werden kurzfristig nicht erwartet. (Reuters, red, 15.5.2022)