Nimmt man den Flieger oder doch besser die Bahn, wenn man heuer einmal das Auto in der Garage stehen lassen will? Wir haben versucht, einen Trip zu drei höchst unterschiedlichen Sommerreisezielen – Split, Barcelona und Rügen – vom Heimcomputer aus zu planen. Der Reisezeitraum sollte im Juli liegen, mit an Bord sind zwei Erwachsene und zwei schulpflichtige Kinder, Recherchezeitraum war der 13. bzw. 14. Mai 2022.

Das wäre unser erstes Ziel: Split in Kroatien.
Foto: imago images/Pixsell

Erstes Ziel: Split. Dorthin fährt ein Nachtzug, der Euronight (EN 1153), der von der Slowakischen Bahn ZSSK und der ÖBB gemeinsam betrieben wird. Er startet in Bratislava und fährt über Wien-Hauptbahnhof nach Split. Das hört sich schon einmal gut an. Wir starten den Buchungsvorgang über die einschlägige ÖBB-Website, tragen die Passagiere in die Suchmaske ein und finden die – vermeintlich – beste Route. Es soll am Freitag, 8. Juli um 17.51 Uhr am Wiener Hauptbahnhof losgehen. Ohne umsteigen zu müssen, sollten wir am folgenden Tag um 9.53 Uhr entspannt und ausgeschlafen in Split ankommen. Auch eine Fahrzeugmitnahme ist möglich, wie man liest.

Dieser Zug ist abgefahren

Der Preis für ein "Komfortticket" (inklusive Reservierung) für zwei Erwachsene wird mit 258 Euro angegeben. Wir wählen den Liegewagen mit vier Liegen inklusive eines kleinen Frühstücks. Sitzwagen kommt sowieso nicht infrage, der Schlafwagen war zum Zeitpunkt unserer Recherche aber schon nicht mehr verfügbar. Und: Die Kinder ließen sich nicht mehr dazubuchen. Dieser Zug ist also abgefahren.

Da wir flexibel sind, weil wir ja nur hypothetisch reisen, wählen wir flugs ein anderes Datum. Neuer Versuch, einen Monat später: Freitag 5. 8., Abfahrt Wien-Hauptbahnhof 18.01, Ankunft Split 09.53, Fahrtzeit 15 Stunden 52 Minuten, diesmal können auch die Kinder mit, juhu!

So stellen wir uns das vor. Die Familie in einem Schlafabteil ...
Foto: ÖBB/Harald Eisenberger

Nur nicht im Schlafwagen, denn da gibt es nur Platz für drei Personen, sprich, es gibt nur drei Betten. Daher bleibt nur noch der Liegewagen – hier ist die Auswahl größer: ein Abteil mit sechs Liegen, ein Damenabteil mit vier Liegen und ein Damenabteil mit sechs Liegen wird angeboten. Nicht lange überlegt: Das Damenabteil mit vier Liegen soll's werden, Aufpreis: 60 Euro. Das ist es uns wert. Es gibt auch ein kleines Frühstück. Auf der "Sparschiene" inklusive Reservierung (Abfahrtstag und -zeit sind fix, nicht stornierbar) schlägt sich das mit 329, 80 Euro zu Buche. Wählt man das Komfortticket inklusive Reservierung (Abfahrtstag und -zeit sind fix, bis 15 Tage vor dem Geltungstag kostenlos stornierbar, danach bis vor dem ersten Geltungstag 50 Prozent des Fahrpreises, mindestens 15 Euro Stornokosten pro Person), kommt man auf 348 Euro. PS: Man kann auch eine Stornoversicherung für 19 Euro abschließen.

Die Familienkutsche darf nicht mit

Zurück von Split nach Wien geht’s dann am 20. August, Samstag, um 17.26 Uhr. Aber leider: Auf der "Sparschiene" gibt es keine Liegewagen und keine Schlafwagenabteile mehr … Sitzplatz? Sicher nicht. Auf der "Komfortschiene" kann man noch einen Schlafwagen auswählen, aber eben nur mit drei Betten. Der Papa müsste auswandern. Alternativ könnte man sich für zwei Schlafwagenabteile mit je zwei Betten entscheiden. Das wird’s: 468 Euro kostet der Spaß. Man gönnt sich ja sonst nix. Dafür geht’s dann ohne Zwischenstopp zurück nach Wien. Ankunftszeit: 8.58 Uhr am 21. 8. 2022, Sonntag. Zwischen 797,80 und 816 lautet die Rechnung. Wohlgemerkt: zum Zeitpunkt unserer Recherche.

Und weil es schon die Möglichkeit, theoretisch, gibt, das Auto mitzunehmen, checken wir das auch gleich, kann nicht schaden, den fahrbaren Untersatz in Kroatien dabeizuhaben. Aber: Nach der Eingabe der Autodaten stellt sich heraus, dass unsere Familienkutsche, ein VW Touran, gar nicht mitdarf – sie sei zu hoch. Okay, versuchen wir aus Spaß an der Freude ein anderes Modell. Einen Kombi, ein VW Passat: geht nicht. Wir lernen: Ein Beetle dürfte mit … also diese Option fällt schon einmal weg. Schade eigentlich.

Arg teuer

Flugscham hin oder her, fast 16 Stunden im Zug sind nicht jedermanns Sache. Wie schaut's also mit einem Flug von Wien (VIE) nach Split (SPU) aus – und zwar im ursprünglich geplanten Reisezeitraum 9. bis 23. 7. für zwei Erwachsene und zwei Kinder (sieben bzw. zehn Jahre alt)? Auf der Austrian-Website finden wir eine Aktion: 175 Euro für Hin- und Rückflug. Klicken drauf und landen auf der "normalen" Buchungsseite der Airline. Das Angebot scheint nicht auffindbar.

Na servus: Der Flug von Wien nach Split ist nicht gerade billig.
Foto: APA/HELMUT FOHRINGER

Wir finden einen Nonstop-Flug um 13.15 Uhr, Ankunft 14.25 Uhr, Dauer: 1 Stunde 10 Minuten. Rechnen wir einen großzügigen Puffer für die Anreise zum Flughafen etc. ein, dauert die Aktion fünf Stunden. Nun stehen Economy Light, Classic oder Flex zur Auswahl, für 508,42, 533,42, bzw. 583,42 Euro – für den Hinflug. Der späteste Nonstop-Rückflug (15.15 Uhr ab Split, 16.30 Uhr an Wien, 1 Stunde 15 Minuten) schlägt je nach Kategorie mit 206, 27, 231,27 bzw. 281,27 Euro zu Buche. Alles pro Person. Man kommt also auf einen Gesamtpreis von 2.742,76 Euro in der Economy-Classic-Kategorie. Das kommt uns dann schon arg teuer vor ...

Günstiger, aber nicht billig

Deshalb steuern wir die Flugsuchmaschine Skyscanner, mit der man mehrere Angebote vergleichen kann, an: gleicher Reisezeitraum, Hin- und Rückflug, nur Direktflüge … Die erste Suche spuckt Preise zwischen 541 und 733 Euro pro Person aus. Frühester Abflug 13.15 Wien, spätester Rückflug 15.15 Split. Wir klicken auf den günstigsten: 541 Euro, Abflug 14.25 ab Wien, Ankunft in Split 15.45 Uhr. Danach stehen unterschiedliche Anbieter zur Auswahl auf die man sich weiterleiten lassen kann – Bravofly, Opodo, lastminute.de … Bravofly (2.161 Euro) hat nur drei von fünf Sternen, lastminute (2.211 Euro) immerhin 3,5. Was nimmt man? Lastminute.de wegen der besseren Bewertung und 50 Euro auf oder ab, pfeif drauf. Also angeklickt ... Weiterleitung zu lastminute.de.

Dort nehmen wir den Classic-Tarif, das heißt, jede Änderung würde kosten – Umbuchen, Stornieren etc. Auf eine "bevorzugte Behandlung" muss man auch verzichten. Mit einem Rabatt von 65,85 Euro wird ein Gesamtpreis von 2.211,15 Euro ausgewiesen. Aber: Etwas runtergescrollt, findet man heraus, dass, wenn zumindest die Erwachsenen je einen Koffer aufgeben, noch einmal 33,90 pro Person und Strecke dazukommen, also insgesamt 135,60 Euro zu bezahlen sind. Das macht dann 2.482,35 Euro. Es ist also um rund 300 Euro günstiger als direkt bei der AUA. Aber immer noch teuer.

Ab in den Norden

Nächstes Beispiel: Rügen an der Ostsee, konkret soll es in das Ostseebad Binz gehen, das größte Seebad auf der Insel. Reisezeitraum wie gehabt: 9. bis 23. Juli, 14 Tage in der Ostsee planschen, zwei Erwachsene, zwei Kinder. Dieses Mal ziehen wir die Zugbuchungsplattform Trainline zu Rate, eine Art One-Stop-Shop für Zugreisen. Losgehen soll's um 06.51 Uhr vom Wiener Hauptbahnhof. Nach 13 Stunden und dreimal umsteigen (in Nürnberg, Berlin und am Hauptbahnhof Stralsund) sollte man um 19.51 Uhr beim Ostseebad Binz ankommen. Der günstigste Preis (2. Klasse) liegt bei 197,80 Euro, ein "Super Sparpreis Europa". Hinzu kommen acht Euro für die Sitzplatzreservierung, macht 205,80 Euro für die Hinfahrt.

Nächstes Ziel unserer hypothetischen Reise: das Ostseebad Binz auf Rügen.
Foto: imago images/Andre Gschweng

Einen Klick weiter tauchen die Rückfahrtoptionen auf. Retour geht es am 23. 7. für 187,80 Euro (zweite Klasse inklusive Sitzplatzreservierung oder für 246,40 Euro erste Klasse inklusive Sitzplatzreservierung), Abfahrt 08.19 Uhr von Rügen, Ankunft 20.45 Uhr am Hauptbahnhof in Wien. Mit zweimal umsteigen (Berlin, Nürnberg) dauert diese Fahrt laut Plan 12 Stunden und 26 Minuten. Buchen wir zweite Klasse mit Sitzplatzreservierung in einem Viererabteil, spuckt die Suchmaschine einen Preis von 393,60 Euro aus. Das Beste: Man bekommt alle Tickets aus einer Hand.

Weiter mit dem Zug?

Eine direkte Flugverbindung nach Rügen? Gibt’s nicht. Wir entschließen uns, nach Heringsdorf auf Usedom zu fliegen, mit der AUA bzw. Lufthansa. Es gibt einen Flug um 14.10 Uhr, Ankunft 18.05, Flugdauer 3 Stunden 55 Minuten mit einer Zwischenlandung in Frankfurt am Main. Das scheint akzeptabel. Der Rückflug um 19.05 Uhr von Heringsdorf geht ebenfalls über Frankfurt. Ankunft in Wien 23.10 Uhr, Dauer: 4 Stunden 5 Minuten. Wir wählen "Economy Classic", müssten dafür 3.726, 56 Euro an die Fluglinie überweisen.

Und wären noch nicht auf Rügen. Daher checken wir den Zug von Heringsdorf-Flughafen auf Usedom nach Osteebad Binz auf Rügen. Der letzte Zug startet laut Deutscher Bahn um 16.20 Uhr und kommt um 20.55 Uhr auf Rügen an. Das geht sich nicht aus. Also könnte man zum Beispiel am Sonntag fahren und eine Nacht auf Usedom verbringen – oder doch gleich den gesamten Urlaub? Wir nehmen es bei unserer hypothetischen Reise sportlich, übernachten und wollen am Sonntag gleich den ersten Zug nach Rügen nehmen. Der fährt um 9.22 Uhr ab und kommt um 12.55 Uhr an, macht 3 Stunden und 33 Minuten Fahrzeit, inklusive dreimaligen Umsteigens. Bei genauerem Hinsehen stellen wir fest: Die erste Teilstrecke müssen wir mit dem Bus fahren. Egal.

Die Crux mit der Teilstrecke

Retour geht es mit dem Zug am 23. Juli um 12.18 Uhr, Ankunft am Flughafen Heringsdorf um 16.15 Uhr, inklusive zweimal Umsteigen. Das sollte genug Zeit sein, um gemütlich für den Heimflug einzuchecken. Wir nehmen das "Mecklenburg-Vorpommern-Ticket 1. Klasse" für die Hinfahrt, das mit 40 Euro ausgewiesen wird und den Vorteil hat, dass man im Bundesland beliebig oft fahren kann und die "Kindermitnahme" vergünstigt ist. Es ist zudem ein "Super Sparpreis".

Vielleicht sollten wir einfach auf Usedom bleiben ...
Foto: imago images/Andre Gschweng

Die Crux: Es handelt sich um einen Teilstreckenpreis, das heißt, dass einige Strecken, konkret die Route Heringsdorf-Flughafen–Seebad Heringsdorf bei der Hinfahrt und retour die Strecke Anklam–Heringsdorf-Flughafen, extra zu bezahlen sind. Laut Trainline kostet das Ticket Heringsdorf-Flughafen nach Seebad Heringsdorf 27 Euro für alle Mitreisenden zusammen … Okay, wir halten fest: Es ist kompliziert und teuer. Zug- und Flugtickets kosten, wenn man diesen Weg wählt und die genannten Buchungswege geht, zusammen schon 3.874,36 Euro. Der Zeitaufwand ist zudem enorm.

Wollen wir mit der Billigfluglinie abheben?

Das dritte Reiseziel ist Barcelona, wo man die Stadt besichtigen und dank Stadtstrand auch einige Zeit am Meer verbringen kann. Wir gehen wieder von den erwähnten Annahmen, was Personen und Reisezeitraum betrifft, aus. Schnell den Flug gecheckt. Die AUA fliegt direkt in 2 Stunden 20 Minuten in die katalanische Metropole, Startzeit 6.55 Uhr, Ankunft 9.15 Uhr. Wir haben so noch den ganzen Tag vor uns, auch wenn wir sehr früh aufstehen müssen. Zurück geht’s am 23. Juli um 20.35 Uhr, Ankunft in Wien 22.50 Uhr, nonstop in 2 Stunden 15 Minuten. Preis "Economy Classic": 2.333 Euro. Auch nicht schwach.

Preisvergleich via Skyscanner: Dort findet man, letztendlich wieder über lastminute.de, einen Ryanair-Flug, der um 5.55 Uhr abhebt und um 8.15 Uhr landet, Flugdauer 2 Stunden 20 Minuten. Zurück hebt man um 9.20 Uhr ab und landet um 11.40 Uhr. Mit zwei Koffern zum Aufgeben kommt man so auf den (Aktions-)Preis von 878,37 Euro. Das klingt von den Kosten her schon deutlich besser. Aber will man wirklich mit Ryanair fliegen?

Klingt sehr mühsam

Werfen wir einen Blick auf die Zugalternative. Wien-Hauptbahnhof–Barcelona Sants, geplante Ankunft Samstag 9. Juli. Das heißt, man sollte am Freitag starten. Eingabe bei der ÖBB: Start 17.15 am 8. Juli, Ankunft in Barcelona um 16.54 Uhr. Dauer: 23 Stunden 39 Minuten, viermal umsteigen. Wobei das angegebene Ticket nur bis Frankfurt am Main Hauptbahnhof gilt. Es kostet 93,80 Euro auf der "Sparschiene" bis Frankfurt, nur Sitzplatz (eine Sitzplatzreservierung kostet 81,80 Euro). Doch wie weiter? Man muss jedes einzelne Ticket buchen. Ist machbar, klingt aber sehr mühsam.

Barceloneta: der Stadtstrand von Barcelona.
Foto: Getty Images/agrobacter

Gibt es einen einfacheren Weg? Wir bitten die Zugreiseprofis von Traivelling um Hilfe. Deren Gründer haben es sich zur Aufgabe gemacht, Zugreisen als Gesamtpaket anzubieten. Zum Thema Wien–Barcelona erfahren wir, dass man am besten fährt, wenn man flexibel ist: "Hin geht es an einem Tag nur montags, donnerstags und Samstag abends. Mit dem Nachtzug nach Straßburg (Ankunft gegen halb sechs Uhr) und einer Weiterreise mit dem TGV nach Paris oder Lyon. Von dort kann man dann noch am selben Tag den TGV nach Barcelona nehmen", schreibt Elias Bohun, dessen Idee Traivelling war. An den anderen Tagen, wie auch bei der Rückreise, ginge es nur mit einem 24-stündigen Aufenthalt in Lyon, weil die Umstiege zu knapp seien (unter zehn Minuten). "Das ist zu risky!", befürchtet Bohun.

Damit haben wir nicht gerechnet

Retour ginge es dagegen wie am Schnürchen: Abreise morgens gegen acht Uhr von Barcelona nach Lyon (Ankunft 13.20). Weiterreise dann eine Stunde später nach Genf, wiederum eine Stunde später nach Zürich, sodass man mit genug Pufferzeit (über 40 Minuten) den Nachtzug nach Wien erwischt.

Er gibt uns einen Tipp: Am billigsten sei Interrail bei dieser Reise. "Das macht im Vierer-Liegewagen 350 Euro hin und retour, im Sitzwagen ein wenig unter 300 Euro." So weit der Profi. Aber: "Derzeit ist es nicht möglich, die TGVs im Vorhinein zu reservieren, daher ist man gezwungen, Einzeltickets zu kaufen." Deren Preise seien wiederum abhängig vom jeweiligen Tag, rechnet Bohun vor: "Die billigste Option startet zwar bei 350 Euro, aber eher kommt man auf 600 Euro, weil man nie die billigsten Tickets bekommt." Er verspricht: "Unsere neue Website wird in Zukunft die sinnvollsten Verbindungen automatisiert finden und auch Interrail auf diesen Strecken anbieten." Außerdem werde man Reisenden die Möglichkeit bieten, ihre Routen zu bearbeiten, zum Beispiel, um Übernachtungen auf dem Weg einzufügen.

Unser Fazit nach stundenlanger, ermüdender Recherche: Zwei Reiseziele, namentlich Split und Rügen, lassen sich mit dem Zug recht angenehm ansteuern. Bei Barcelona allerdings ist es (noch) zu kompliziert. Was die Kosten betrifft, schlägt der Zug den Flieger allerdings um Längen. Und das ist wirklich erstaunlich. (Markus Böhm, 16.5.2022)

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