Ein Teilnehmer des OldCarLand-Festivals in Kiew im Mai 2021 schaut unter die Haube seines Moskwitsch 407 aus dem Jahr 1958.

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Boulogne-Billancourt/Moskau – Der französische Autobauer Renault stellt seine Aktivitäten in Russland wegen des Kriegs in der Ukraine komplett ein und gibt alle Unternehmensbeteiligungen ab. Wie der Konzern am Montag in Boulogne-Billancourt mitteilte, verkauft Renault sämtliche Anteile an Renault Russland an die Stadt Moskau und seinen Anteil am Hersteller Avtovaz an das Zentralinstitut zur Förderung von Automobil- und Motorenbau (Nami). Für Avtovaz gibt es eine Rückkaufoption für sechs Jahre.

"Heute haben wir eine schwierige, aber notwendige Entscheidung getroffen", sagte Renault-Generaldirektor Luca de Meo. Renault behalte sich die Möglichkeit offen, in einem anderen Kontext nach Russland zurückzukehren. Der Wert der Beteiligungen in Russland von rund 2,2 Milliarden Euro werde zum ersten Halbjahr 2022 ausgebucht. "Ich habe Vertrauen in die Fähigkeit der Renault Group, ihre Transformation weiter zu beschleunigen und ihre mittelfristigen Ziele zu übertreffen", sagte de Meo.

Sobjanin will das "Kollektiv" retten

Der Moskauer Bürgermeister Sergej Sobjanin kündigte an, dass das sowjetische Kultauto Moskwitsch (russisch für "der Moskauer") in der Fabrik künftig wieder produziert werden solle. Moskwitsch-Autos wurden in der Sowjetunion und später auch mit Teilen aus der DDR hergestellt, sie galten als robuste und erschwingliche Privatautos. Zur Entscheidung von Renault sagte Sobjanin: "Das ist ihr Recht, aber wir können nicht zulassen, dass ein Kollektiv mit vielen Tausend Arbeitern ohne Beschäftigung bleibt." Deshalb sei beschlossen worden, das Werk zu übernehmen und die Produktion von Pkws neu zu starten unter der "historischen Marke Moskwitsch". Es werde versucht, den Großteil der Arbeitnehmerschaft zu erhalten.

Technologie-Partner für die Wiedergeburt des Moskauer Automobilwerks Moskwitsch werde der russische Autoriese Kamaz. In einer ersten Etappe sollten Verbrenner produziert werden. Später sollten auch Elektroautos hinzukommen. Kamaz und das Ministerium für Industrie und Handel seien auch dabei, in Russland die Produktion einer maximalen Anzahl an Zulieferern anzusiedeln, sagte Sobjanin.

Noch 200.000 Moskwitsch-Autos noch in Russland registriert

Das Werk in Moskau habe eine lange und ruhmreiche Geschichte. Vor fast 100 Jahren habe dort schon Ford produziert. Über Jahrzehnte sei dort der Moskwitsch gebaut worden, dessen Produktion 2001 eingestellt wurde. Das Unternehmen wurde privatisiert und später insolvent. Heute sind noch 200.000 Moskwitsch-Autos in Russland registriert, 46.000 davon sind älter als 35 Jahre.

Die Zusammenarbeit mit Renault habe 1998 begonnen, schrieb Sobjanin weiter. In dem Werk seien die Modelle Logan, Duster und Sandero vom Band gelaufen. "2022 öffnen wir ein neues Kapitel in der "Moskwitsch"-Geschichte. (APA, Reuters, red, 16.5.2022)