Die Versorgung zehntausender Kriegsflüchtlinge stellt Staat und Behörden vor massive Herausforderungen. Gerade in einer solchen Situation gilt es aber, genau hinzuschauen, um Wildwuchs zu verhindern. Bei einem Flüchtlingsheim wie jenem in Neulengbach mit 200 Bewohnerinnen, das keinen Grundversorgungsvertrag mit dem Land hat und dessen Betreiber nicht den entsprechenden Qualitätskriterien folgen müssen, sollte man genau hinschauen. Gerade in Niederösterreich, wo der asylpolitisch belastete Landesrat Gottfried Waldhäusl (FPÖ) für die Vertriebenenagenden zuständig ist.

Die Versorgung zehntausender Kriegsflüchtlinge stellt Staat und Behörden vor massive Herausforderungen.
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Der Druck, der auf dem österreichischen Flüchtlingsversorgungssystem lastet, hat aber auch positive Folgen. Um angesichts der EU-weiten Willkommensvorgaben für die Fluchtbewegung aus der Ukraine nicht zu versagen, müssen Positionen hinterfragt und Themen angesprochen werden, die davor jahrelang unveränderbar erschienen.

So kommen von privat wohnenden grundversorgten Frauen mit Kindern aus der Ukraine erste Beschwerden, dass sie sich mit den beschämend niedrigen Monatszahlungen weder Windeln noch Babynahrung leisten können. Manche haben nach Wochen noch überhaupt kein Geld bekommen. Um keinen Irrtum aufkommen zu lassen: Das war auch bisher schon so, nur betraf es Flüchtlinge aus Afghanistan oder Tschetschenien, denen man noch weniger gern zuhörte. Aber vielleicht besteht jetzt eine Chance, das System zu verbessern. (Irene Brickner, 16.5.2022)