Der Beginn einer Kolonie: Die Hornissenkönigin allein baut zuerst ein Schirmchen und dann die erste Etage der Waben (Belichtungszeit 1/125 Sek., Blende f/4.5, Lichtempfindlichkeit ISO 64, Brennweite 60 mm Makroobjektiv, Makroblitz).

Foto: Michael Simoner

Hornissen haben eindeutig ein Imageproblem. Während Bienen unsere Herzen erobert haben, sind Hornissen für viele nur gefährliche, zu groß geratene Wespen, die panisches Herumgefuchtel auslösen. Was a) nicht stimmt, b) die falscheste aller Reaktionen ist und c) vom Kennenlernen der faszinierenden Spezies Vespa crabro abhält.

Unlängst brummte eine Hornisse in unser Wohnzimmer, offensichtlich auf der Suche nach einem geeigneten Platz für eine neue Kolonie. Schwups, war sie im Schallloch meiner Gitarre verschwunden. Fender sei Dank schwirrte sie aber wieder ab und entschied sich, wie wir später entdeckten, für unser Gartenhäuschen.

Geniale Architektur

Hier baute die Queen aus zerkautem Totholz zuerst ein Papierschirmchen an die Decke, in der Mitte folgte eine Art Stängel, und daran hängte sie die erste Wabenetage. Der Stängel ist eine geniale Verteidigungskonstruktion, Räuber wie Ameisen können nur über diese Engstelle ins Nest, doch dieser Weg ist leicht zu kontrollieren.

Gleich in die ersten Waben legt die Hornisse schon im Vorjahr befruchtete Eier, um schnell Verstärkung zu erhalten. Der Nachwuchs baut das Nest beständig aus, irgendwann zieht sich Her Majesty zurück, um nur mehr Nachkommen und gezielt neue Königinnen zu produzieren. Reicht der Platz für das Hornissenvolk mit bis zu 700 Tieren nicht aus, kann es auch umziehen.

Gemeinschaftliche Schlafpausen

Hornissen sind wahre Heldinnen der Arbeit, sie sind bei Tag und Nacht aktiv. Es gibt aber ein rätselhaftes Ruheverhalten, das der steirische Naturschutzbund so beschreibt: Zwei Dutzend Mal pro Nacht verfällt das ganze Volk, von der Königin bis zur Arbeiterin, gleichzeitig in eine Art Tiefschlaf. Alle Tiere stoppen ihre aktuelle Tätigkeit und verharren für etwa 30 Sekunden, anschließend arbeiten alle weiter, als wäre nichts geschehen. Abgefahren, oder?

Heimische Hornissen stehen unter Naturschutz, sie gelten als friedfertiges Volk, das aber wie alle Tiere sich und den Nachwuchs schützt. Fünf Meter Abstand vom Nest ist eine gute Faustregel. Nach ihnen zu schlagen, weckt ihren Verteidigungsinstinkt, auch anblasen ist keine gute Idee. Stiche sind zwar schmerzhafter als Wespenstiche aber nicht toxischer, im Normalfall also leicht verkraftbar. Mit allergischen Reaktionen ist aber wie bei allen Insektenstichen nicht zu spaßen, bei entsprechenden Symptomen (Schweißausbruch, Schwindel, Atemnot) bitte immer sofort ärztliche Hilfe aufsuchen. (Michael Simoner, 18.5.2022)

Die Konstruktion des Nests wächst. Pro Tag schafft die Hornisse zwischen ein und zwei Waben (1/125 Sek., f/4.5, ISO 110, 60 mm Makro, Makroblitz).
Foto: Michael Simoner
Bei der Eiablage. Hier ist auch der Stängel, an dem die Waben hängen, gut zu erkennen (1/125 Sek., f/4.5, ISO 110, 60 mm Makro, Makroblitz).
Foto: Michael Simoner
In den sechseckigen Zellen sind bereits die ersten Eier zu erkennen (1/125 Sek., f/4.5, ISO 90, 60 mm Makro, Makroblitz).
Foto: Michael Simoner
Vor allem aus zerkautem Totholz formt die Hornisse Material für den Nestbau (1/1000 Sek., f/8, ISO 1100, 105 mm Makro).
Foto: Michael Simoner
Beeindruckende Architektur: Der besetzte Futterkasten wurde für die Kolonie zu eng, also haben die Hornissen nach unten ausgebaut (1/250 Sek., f/11, ISO 100, 150 mm am APS-Sensor entspricht 225 mm umgerechnet aufs Kleinbildformat).
Foto: Michael Simoner