Ein verletzter ukrainischer Soldat wird auf einer Trage aus dem Mariupoler Stahlwerk in einen Bus gebracht.

Foto: Reuters / Alexander Ermochenko

Das wochenlange Ringen und Bangen um jene Ukrainerinnen und Ukrainer, die sich im Mariupoler Stahlwerk Asowstal verschanzen, dürfte bald ein Ende haben. Die Militärführung kündigte am Dienstag eine komplette Evakuierung des Geländes an. Laut Vizeministerpräsidentin Iryna Wereschtschuk werden die nächsten Schritte vorbereitet, ohne Details zu nennen. "So Gott will, wird alles gut", schrieb sie auf Telegram.

In der am Asowschen Meer gelegenen Hafenstadt im Süden der Ukraine galt das Stahlwerk lange als letzte Bastion gegen die russischen Invasoren. Hunderte Kämpferinnen und Kämpfer hatten gemeinsam mit Zivilpersonen dort Zuflucht gesucht und lange ein Eindringen der Gegenseite verhindert.

Verhandlungen über Evakuierungen scheiterten lange, bis es Anfang Mai zusammen mit der Uno und dem Roten Kreuz gelang, die Zivilpersonen in Sicherheit zu bringen. Montagabend wurden Busse gesichtet, die mehr als 260 der geschätzt mindestens 600 ukrainischen Kämpferinnen und Kämpfer in von prorussischen Separatisten kontrollierte Orte fuhren. Mehr als 50 von ihnen waren verwundet und wurden in ein Spital gebracht.

Austausch nicht sicher

Wie es mit den Evakuierten weitergeht, darüber war man am Dienstag geteilter Meinung. Kiew geht davon aus, dass sie gegen russische Kriegsgefangene eingetauscht werden. Auf der Gegenseite allerdings gibt es Stimmen, die fordern, die ukrainischen Kämpfer des Asow-Regiments davon auszuschließen. Das ultranationalistische und teilweise rechtsextreme Freiwilligenbataillon wird von Moskau oft als Rechtfertigung für die Invasion der Ukraine angeführt, will man das Land doch offiziell "entnazifizieren".

Aus dem Kreml hieß es dazu offiziell, Präsident Wladimir Putin habe zugesichert, dass Kämpfer aus dem Stahlwerk nach internationalen Standards behandelt würden.

Während Mariupol also kurz davor steht, komplett in russische Hände zu fallen, meldete das ukrainische Militär weiter nördlich nahe der Stadt Charkiw Geländegewinne. Das britische Verteidigungsministerium erklärte am Dienstag, dass die russischen Truppen vermehrt auf "wahllosen Artilleriebeschuss" setzen würden. Demnach habe Russland nur begrenzte Möglichkeiten zur Erfassung von Zielen und scheue zudem das Risiko, Kampfflugzeuge über ukrainisch kontrolliertem Gebiet einzusetzen.

Unicef schlägt Alarm

Unterdessen erklärte das UN-Kinderhilfswerk Unicef, dass die schwere Unterernährung von vielen Kindern global katastrophale Ausmaße angenommen habe. Gründe dafür sind vor allem der Ukraine-Krieg, der Kampf gegen die Folgen der Corona-Pandemie und Dürren aufgrund des Klimawandels. Weltweit leiden laut Unicef derzeit etwa 13,6 Millionen Kinder unter fünf Jahren an schwerer Auszehrung. Dies führe zu einem von fünf Todesfällen in dieser Altersgruppe. (Kim Son Hoang, 17.5.2022)