Die Weltwetterorganisation (WMO) schlägt Alarm.

Foto: Reuters / Denis Balibouse

Genf – Vier wichtige Indikatoren für den Klimawandel haben nach dem neuen Klimazustandsbericht der Weltwetterorganisation (WMO) Rekordwerte erreicht. Das unterstreiche die verheerenden Folgen der menschlichen Aktivitäten für die Ökosysteme, die eigentlich das Überleben der Menschheit sichern sollen, berichtete die Weltorganisation für Meteorologie am Mittwoch in Genf.

Rekorde gab es demnach beim Anstieg des Meeresspiegels, dem Wärmeinhalt der Ozeane, der Versauerung der Meere und der Konzentration der Treibhausgase in der Atmosphäre. Dabei handelt es sich vor allem um Kohlendioxid (CO2).

Heiße Jahre

Insgesamt verwendet die WMO sieben Klimaindikatoren, um das komplexe Zusammenspiel verschiedener Faktoren greifbar zu machen und jene Bereiche zu überwachen, die am wichtigsten für den Klimawandel sind. Für 2021 sind noch nicht alle Daten zusammengetragen. Bei den genannten Domänen wurden aber besonders hohe Werte vermeldet.

Die WMO bestätigte ihre vorläufige Berechnung, dass die globale Durchschnittstemperatur 2021 etwa 1,1 Grad über dem vorindustriellen Niveau (1850–1900) lag und die vergangenen sieben Jahre die wärmsten seit Messbeginn waren. Das bisher heißeste Jahr war 2016, mit 1,2 Grad über vorindustriellem Niveau. Durch die kühlende Wirkung des La-Niña-Phänomens hat 2021 hier keine neuen Rekorde gebrochen, heißt es auf einer Website, die den Statusbericht mit Grafiken, Videos und eingestreuten Quizfragen aufbereitet.

Warme und saure Meere

Ozeane haben sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten stark erwärmt. Der Temperaturanstieg, der bis zu einer Tiefe von zwei Kilometern gemessen wird, hängt stark mit der Atmosphäre zusammen: Etwa 90 Prozent der Wärmeenergie, die sich durch steigende Konzentrationen von Treibhausgasen ansammelt, werden auf die Meere übertragen. Das führt unter anderem zur Korallenbleiche. Korallen, die Lebensraum für viele Tiere, Pflanzen und Mikroorganismen bilden und Küsten vor Stürmen schützen, sind sehr anfällig für Veränderungen in der Wassertemperatur.

Gleichzeitig steigt der Meeresspiegel immer schneller an, wovon nicht alle Regionen gleichmäßig betroffen sind. Der steigende CO2-Gehalt im Meer sorgt auch dafür, dass das Wasser immer saurer wird und so wiederum viele Ökosysteme belastet, die sich auf einem höheren pH-Wert eingependelt haben und sich nicht schnell genug anpassen können. Während die Ozeane 23 Prozent der von Menschen verursachten CO2-Emissionen aus der Atmosphäre aufnehmen und so die hohe Konzentration ausgleichen, geht das zulasten der Meereslebewesen. Nicht nur sie, sondern auch die Lebensmittelversorgung von Menschen wird dadurch gefährdet.

Folgen der warmen Arktis

Auch das arktische Meereseis, das saisonal zurückgeht und sich wieder aufbaut, erreichte Anfang Juli 2021 ein für diese Zeit neues Minimum. Am höchsten Punkt des grönländischen Eisschilds wurde erstmals seit Beginn der Beobachtungen Regen verzeichnet – seit 25 Jahren in Folge kommt es hier zu besonders hohen Temperaturen und viel Schmelzwasser: Mehr Eis wird verloren, als sich nachbilden kann. Studien liefern Hinweise dafür, dass diese Eisschmelze bald nicht mehr aufzuhalten ist. Ebenfalls befinden sich Gletscher weltweit auf einem Abwärtstrend und verlieren stark an Masse, auch wenn sie 2021 weniger stark als in den Jahren zuvor zurückgegangen sind.

Das schwindende Eis in der Arktis beziehungsweise die niedrigen Temperaturen wirken sich auch auf das Klima in anderen Regionen aus. Denn der Temperaturunterschied zwischen unseren mittleren Breiten und der Arktis treibt ein Windband, den Jetstream, an. Wird er langsamer, können sich Wetterlagen länger an einem Ort halten und beispielsweise für extreme Regenfälle sorgen, wie sie in Deutschland im vergangenen Jahr vorgekommen sind.

Bessere Warnsysteme und Emissionsminderung

Zu besonders viel Niederschlag kam es durchschnittlich auch in Osteuropa, Südostasien und in der Arktisregion, wie der WMO-Bericht zeigt. Im Westen des asiatischen Kontinents, Südafrika und in Südamerika blieb es hingegen viel trockener als üblich.

Aufgezeigt wird aber auch, was man gegen die rapiden Klimaveränderungen und für einen besseren Schutz von Gesellschaften unternehmen kann. Die Weltwetterorganisation empfiehlt beispielsweise, dass Frühwarnsysteme potenziell kritische Wetterlagen besser kommunizieren, um die Folgen zu vermindern. Das betrifft vor allem auch den globalen Süden: Ein Drittel der Weltbevölkerung kann von Frühwarnsystemen gar nicht erreicht werden. Auf dem Kontinent Afrika betrifft das sogar 60 Prozent der Bevölkerung. Gleichzeitig führt kein Weg daran vorbei, so bald wie möglich massiv Emissionen zurückzufahren. (sic, APA, 18.5.2022)

DER STANDARD