Im Herbst 2021 demonstrierten Netflix-Angestellte wegen der transfeindlichen Eigenproduktion des Comedians Dave Chappelle.

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Streamingriese Netflix hat seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern neue Guidelines verpasst und seine Richtlinien erstmals seit 2017 aktualisiert. Hinzugefügt wurde der Abschnitt über "künstlerischen Ausdruck", in dem darauf hingewiesen wird, dass Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter möglicherweise auch an Inhalten arbeiten müssen, die nicht ihren persönlichen Werten entsprechen.

"Nicht jede Person wird alles an unserem Service mögen oder damit einverstanden sein", heißt es, "wir lassen die Zuschauerinnen und Zuschauer entscheiden, was für sie angemessen ist, anstatt bestimmte Kunstschaffende oder Stimmen zu zensieren." In den Guidelines erklärt Netflix weiter: "Abhängig von deiner Rolle musst du möglicherweise an Titeln arbeiten, die du selbst für schädlich hältst. Wenn es dir schwerfällt, diese Inhaltsbreite zu unterstützen, ist Netflix möglicherweise nicht der beste Ort für dich."

Kündigungen und Kundenschwund

Erst am Dienstag hat Netflix die Entlassung von 150 Mitarbeitern angekündigt, die meisten davon in den USA. Dies entspricht etwa zwei Prozent der Angestellten auf dem Heimatmarkt. "Diese Veränderungen sind in erster Linie geschäftlichen Erfordernissen geschuldet und nicht den Einzelleistungen", erklärte Netflix dazu. Wie berichtet, hat der Streamingdienst erstmals seit mehr als zehn Jahren ein Quartal mit Kundenschwund verkraften müssen. In den drei Monaten bis Ende März gingen unterm Strich rund 200.000 Bezahl-Abos verloren.

Tesla-Chef Elon Musk richtete Netflix via Kurznachrichtendienst Twitter seine Vermutung bezüglich des Zuschauerschwunds aus: Netflix habe das Woke-Virus, der Streaming-Anbieter sei zu politisch korrekt – und solle sich auf andere Inhalte konzentrieren. Die neue Mitarbeiterklausel kommentiert Musk auf Twitter mit "Guter Zug von Netflix."

Im vergangenen Herbst wurde Netflix wegen des Specials "The Closer" mit Comedian Dave Chappelle scharf kritisiert. Chappelle machte sich mehrfach über Transpersonen lustig. NGOs wie GLAAD, ein Non-Profit, das LGBTQ+-Feindlichkeit innerhalb der Medienindustrie beobachtet, haben die Produktion als transphob kritisiert. Durch die Veröffentlichung würde der Konzern Hass gegen Transmenschen befeuern. (red, 18.5.2022)