ORF-Stiftungsrat Thomas Zach.

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Wien – Zwölf Millionen Minus für 2022 statt des geplant ausgeglichenen Ergebnisses sind nicht das Worst-Case-Szenario des ORF für das laufende Jahr. Beinahe viermal so viel könnte im schlimmsten Fall auf Österreichs größten Medienkonzern zukommen, sagten Stiftungsräte am Rande der Sitzung am Donnerstag.

  • Update: ORF-General Roland Weißmann kündigte am Rande der Sitzung auf STANDARD-Anfrage zu dem Worst-Case-Szenario an, der ORF werde nach Maßnahmen "natürlich positiv abschließen" – "mit einer schwarzen Null" (also einem ausgeglichenen Ergebnis). Weißmann sprach im Zusammenhang mit dem Extremszenario von "kaufmännischer Vorsicht". Die Herausforderungen seien "bewältigbar".

Konkrete Maßnahmen soll Weißmann im Juni dem Stiftungsrat vorlegen. Der ORF-General wollte diese nicht öffentlich kommunizieren, im Unternehmen seien sie bekannt. Nach STANDARD-Infos drängt der ORF-General etwa auf massiven Urlaubsabbau. Die Verlustwarnung dürfte auch mit Blick auf im Herbst anstehende Verhandlungen über KV-Erhöhungen formuliert sein.

Thomas Zach, der Vorsitzende des Finanzausschusses im Stiftungsrat, sprach auf STANDARD-Anfrage von einer internen "Taskforce".

GIS-Überlegungen "verfrüht"

Der ORF muss seinen GIS-Gebührenbedarf alle fünf Jahre berechnen, die jüngste Erhöhung mit Februar ging noch nicht von den aktuellen Inflationsraten aus. Ist eine frühere Erhöhung der GIS nun mit diesen Teuerungsraten Thema? "Das wäre zum jetzigen Zeitpunkt verfrüht", sagte Zach auf STANDARD-Anfrage.

Der Stiftungsrat müsse sich rechtzeitig mit allen wirtschaftlichen Szenarien auseinandersetzen, auch mit "nicht wahrscheinlichen Szenarien".

Der Stiftungsrat unterstütze die Geschäftsführung aber in ihren Bemühungen, "alle möglichen Gebührenquellen zu erschließen" – gemeint wohl: GIS auch für die Streaming-Nutzung.

"Massiver Widerstand"

Heinz Lederer, von der SPÖ in den Stiftungsrat entsandt, warnte vor einem "massiven Personalabbau" oder einem "Abbau der Senderflotte" als Reaktion auf die wirtschaftlichen Herausforderungen. Dagegen kündigte Lederer "massiven Widerstand" an. (fid, 19.5.2022)