Frauen in den USA versuchen im Moment teils verzweifelt, Babymilchpulver zu bekommen.

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Mit dem Ausbleiben des Babymilchpulvers in den Regalen der US-Supermärkte und den ersten Hilferufen der Eltern hat auch in der US-Öffentlichkeit auch eine Debatte über das Stillen begonnen. Warum beschweren sich die Mütter überhaupt, dass sie zu wenig Muttermilchersatz haben, so der Tenor – sollen sie doch einfach ihre Babys stillen! Damit wird die Schuld für die Krise wieder jenen in die Schuhe geschoben, die sowieso unter Mehrfachbelastung leiden.

Denn die Gründe, warum eine Frau nach der Geburt ihr Baby nicht stillt, sind vielfältig. Manche produzieren schlichtweg nicht genug Milch, vor allem bei Frühgeburten. Oder es gibt ein medizinisches Problem bei den Brüsten, das es unmöglich macht. Oder – und das ist ein zu lösendes Problem – Frauen ist es aufgrund ihrer Jobsituation nicht möglich, ihr Neugeborenes zu stillen. Denn gerade in den USA ist eine bezahlte Elternzeit etwas Exotisches. Mütter in Haushalten mit geringen Einkommen müssen so schnell wie möglich zurück an ihren Arbeitsplatz, um Geld zu verdienen. Zeit, alle paar Stunden rund 20 Minuten Milch abzumpumpen, einzukühlen und zum Baby zu transportieren, bleibt einfach nicht.

Dass fast die Hälfte aller Muttermilchersatzprodukte in den USA durch Regierungshilfen finanziert wird, zeigt, dass nun vor allem Arme von der Babymilchkrise betroffen sind. Es ist an der Zeit, dass auch die USA Frauen ein Umfeld schaffen, in dem sie tatsächlich selbst entscheiden können, ob sie stillen. (Bianca Blei, 20.5.2022)