Mit Carlos Alcaraz wird in Paris zu rechnen sein.

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Novak Djokovic hat vor einem Jahr bei den French Open triumphiert.

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Sandplatz-König Rafael Nadal kommt nicht ganz fit nach Paris.

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Die große Favoritin des Frauenturniers: Iga Swiatek hat Routine im Pokale küssen.

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Paris – Titelverteidiger Novak Djokovic, der angeschlagene Rafael Nadal oder der neue Star Carlos Alcaraz: Dieses Trio ist für die am Sonntag beginnenden French Open in Paris im engsten Favoritenkreis. Normalerweise stünde Nadal, der in Roland Garros unglaubliche 13 Mal triumphiert hat, bei allen Wettanbietern ganz oben. Doch der "Sandplatz"-König, der bei den Australian Open nach längerer Verletzungspause in einem Märchen-Comeback seinen 21. Major-Titel geholt hat, ist nicht topfit.

Wieder fit, aber keinesfalls ein Titelkandidat ist zum Leidwesen seiner Fans Dominic Thiem. Der 28-jährige Niederösterreicher, der in Paris viermal im Semifinale und zweimal im Finale (2018 und 2019) gestanden und mehrere Jahre hinter Nadal unbestritten zweitbester Sandplatz-Spieler der Welt war, muss sich aktuell über jeden Rundengewinn freuen. Das ändert auch die an sich günstige Auslosung gegen den Bolivianer Hugo Dellien (ATP-87.) nicht, gegen den er zum ersten Mal spielt.

Thiem hätte in Runde eins wegen seiner Nicht-Setzung auch ein absoluter Topspieler blühen können. So oder so droht ihm ein weiterer Rückfall in der Weltrangliste per 13. Juni auf eine Position um 370, dann fallen ihm 180 seiner aktuell 295 Punkte vom Viertelfinale bei den French Open 2020 aus der Wertung. Seit seiner Handgelenksverletzung am 22. Juni 2021 auf Mallorca und danach 280 Tagen Auszeit hat Thiem bisher sechs Turniere gespielt und bei allen sechs gleich zum Auftakt verloren. Nur einen Satz hat der 17-fache ATP-Sieger und ehemalige Weltranglisten-Dritte dieses Jahr gewonnen.

"Es ist nicht so wie in den letzten Jahren, dass ich in Roland Garros einer der Topfavoriten bin. Ich wäre heilfroh, wenn ich ein, zwei Runden gewinnen würde", hatte Thiem schon zuletzt in Rom gemeint. Und daran hat sich nach dem auch von ihm als "Rückschritt" bezeichneten Auftritt diese Woche in Genf nichts geändert.

Zumindest ist er diesmal nicht der einzige Österreicher im Feld, da sich von insgesamt vier Landsleuten in der Qualifikation (drei Männer, eine Frau) Sebastian Ofner erstmals seit 2017 wieder für ein Major-Turnier qualifiziert hat. Der 26-jährige Steirer wurde am Freitag gegen den als Nummer drei gesetzten Deutschen Alexander Zverev gelost. Es ist das zweite Duell der beiden, das erste hatte Ofner in der dritten Wimbledon-Runde verloren. Beide Österreicher-Partien wurden für Sonntag angesetzt.

Rom-Sieger Djokovic hat sich zuletzt mit dem Finalsieg über den Griechen Stefanos Tsitsipas, der wie Deutschlands Topstar Zverev immer noch auf seinen ersten Grand-Slam-Titel wartet, Selbstvertrauen geholt. Das hatte der ab Sonntag 35-jährige Serbe nach einem wegen seiner nicht erfolgten Impfung gegen das Coronavirus völlig missratenen Start ins Jahr, als er bereits in Melbourne angekommen den Kontinent wieder hatte verlassen müssen, auch bitter nötig. In der "ewigen Stadt" schöpfte der "Djoker" neue Hoffnung, dass er in Paris Major-Rekordmann Nadal (21 Titel) wieder einholen kann.

Allerdings war in Rom der neue starke Mann nicht am Start: Der seit Anfang Mai 19-jährige Spanier Carlos "Carlitos" Alcaraz hat sich dieses Jahr schon die Titel in Rio de Janeiro, Miami, Barcelona und Madrid geholt. In der spanischen Hauptstadt schlug er der Reihe nach Nadal, Djokovic und Zverev und gönnte sich danach eine Pause. Dem Spanier wird in Paris und bei künftigen Events viel zugetraut.

Bei Nadal ist in Paris immer alles möglich, wenn es sein Körper zulässt. Eine Deformation im linken Mittelfußknochen macht ihm seit Jahren zu schaffen, zuletzt spielte er wieder unter großen Schmerzen. Schafft er es bis ins Viertelfinale, käme es möglicherweise zum vorgezogenen Traum-Finale mit Djokovic.

Bei den Frauen war das Feld in den vergangenen Jahren immer sehr offen. Doch nach dem Rücktritt von Ashleigh Barty hat sich 2022 eine haushohe Favoritin herauskristallisiert: Iga Swiatek hat dieses Jahr sogar noch mehr Titel gewonnen als Alcaraz und nun schon 28 Siege in Folge gefeiert. In Doha, Indian Wells, Miami, Stuttgart und am vergangenen Sonntag auch noch Rom hat die 20-jährige Polin die Trophäen und Siegerschecks mitgenommen. Mit 37:3 Siegen 2022 kommt Swiatek ganz anders nach Paris als vor zwei Jahren: Damals hatte sie Roland Garros mit nur insgesamt 20 Einzelsiegen auf der Tour begonnen und dann sensationell ihren ersten Major-Titel gewonnen, es war zugleich ihr erster Turniersieg auf der Tour.

Dass die tschechische Vorjahressiegerin Barbora Krejcikova ihren Überraschungslauf wiederholen kann, darf angezweifelt werden. Wieder nicht mit von der Partie ist Serena Williams, die ihr bisher letztes Turnier in Wimbledon 2021 gespielt hat. Die 23-fache Major-Siegerin aus den USA hofft auf ein Comeback genau ein Jahr später im Rasen-Mekka. Für sie gilt das Gleiche wie auch für den langzeitverletzten Federer, der aktuell an seinem Comeback arbeitet: Mit fast 41 darf man auch von Ausnahmekönnern keine Wunder mehr erwarten. (APA, 20.5.2022)