Paris – Frankreich stellt sich international neu auf. Außenministerin wird Catherine Colonna, bisher Botschafterin in London. Die 66-jährige Diplomatin kennt das französische Außenministerium, das Quai d'Orsay, als Funktionärin aus früheren Zeiten; später leitete sie Kultureinrichtungen in Paris.

Auch in Berlin gilt sie als stark vernetzt. Der bisherige Europa-Staatssekretär Clément Beaune behält sein Dossier, wie das Präsidialamt am Freitagnachmittag mitteilte.

Catherine Colonna wird neue französische Außenministerin.
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Weniger bekannt ist im Ausland der neue Armeeminister Sébastien Lecornu. Der frühe und enge Mitarbeiter von Präsident Emmanuel Macron wird die Waffenlieferungen in die Ukraine zu überwachen haben.

Darmanin und Le Maire dürfen Ämter behalten

Zwei sichere Werte bleiben in der Regierung – Innenminister Gérald Darmanin sowie Wirtschaftsminister Bruno Le Maire. Das Klimadossier liegt direkt bei der schon am Dienstag ernannten neuen Premierministerin Elisabeth Borne. Sie wird von Umweltministerin Amélie de Montchalin sekundiert.

Für die Energiewende wird Agnès Pannier-Runacher zuständig sein. Damit kümmern sich drei Frauen um die Klimapolitik, die während Macrons zweiter Amtszeit bis 2027 Priorität haben soll.

Neuer Verteidigungsminister: Sébastien Lecornu.
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Neue Gesichter

Zwei unerwartete Neuzugänge verzeichnen die Kultur und die Bildung. Macrons bisherige Kulturberaterin Rima Abdul Malak wird neue Kulturministerin. Die Franko-Libanesin ist einer breiten Öffentlichkeit kaum bekannt und ist vor allem in der Pariser Kulturszene zu Hause.

Bildungsminister wird Pap Ndiaye, ein 56-jähriger Historiker, der eine französische Mutter und einen senegalesischen Vater hat. Seine Schwester ist die auch im deutschen Sprachraum bekannte Schriftstellerin Marie NDiaye (die ihren Namen anders schreibt). In der Banlieue von Paris aufgewachsen, bezeichnet sich Pap Ndiaye selbst als "Kind der französischen Meritokratie". Einen Namen hat er sich als Spezialist für Minderheitenfragen gemacht. Bei Aufenthalten in den USA, wo er einen Teil seiner Dissertation schrieb, wurde ihm der Unterschied zwischen amerikanischem und französischem Konzept afrikanischer Wahrnehmung bewusst. Später brachte er die "Black Studies" selbst nach Europa.

Macron will Banlieue ansprechen

In den letzten Jahren bezog Ndiaye auch politisch Stellung, ohne die teils radikale Positionen von Afrofranzosen wie Aimé Césaire oder Frantz Fanon zu übernehmen. Im Wahlkampf 2017 unterstützte er den nachmaligen sozialistischen Präsidenten François Hollande. Vor gut einem Jahr übernahm er die Leitung des Immigrationsmuseums in Paris, wobei er sich das Ziel steckte, "nicht mehr ganze Teile der französischen Geschichte unter den Teppich zu kehren".

Aus der Banlieue zum Bildungsminister: Pap Ndiaye.
Foto: Reuters/Francois Mori

Dass ihn Macron nun an die Spitze des riesigen französischen Bildungsapparates beruft, dürfte für große Teile der Bevölkerung eine gewaltige Änderung darstellen. Denn wie die französische Geschichte ist das Bildungswesen noch von einer sehr "gallischen" – Ndiaye sagt "weißen" – Sicht geprägt.

Ndiaye wie auch Abdul Malak verdanken ihre Nominierung zweifellos auch ihrer Herkunft aus der französischen Banlieue. Dort haben junge Wähler bei den Präsidentschaftswahlen von April mehrheitlich für den Linkspopulisten Jean-Luc Mélenchon gestimmt. Im Hinblick auf die Parlamentswahlen von Juni will der amtierende Präsident nun klarmachen, dass er sich für die Rechte der Minderheiten und die Gleichheit gerade im schulischen und beruflichen Aufstieg einsetzt. (Stefan Brändle aus Paris, 20.5.2022)