Demonstranten und Demonstrantinnen in Schweden fordern Djalalis Freilassung.

Foto: AP/Anders Wiklund

Iranischen Medien zufolge droht dem im Iran zu Tode verurteilten schwedisch-iranischen Doppelstaatsbürger Ahmadreza Djalali die Hinrichtung durch Erhängen. Die iranischen Behörden hatten mehrfach angekündigt, das Todesurteil werde vollstreckt. Bis Samstag läuft die Frist, an der Teheran bisher festhält.

Der Iran wirft dem Arzt vor, für den israelischen Geheimdienst Mossad spioniert zu haben. Durch von ihm weitergegebene Informationen seien zwei iranische Atomwissenschafter ermordet worden. Djalali sitzt seit 2016 im Iran in Haft, Schweden – wo er davor gearbeitet hat – gewährte ihm 2018 die Staatsbürgerschaft.

Amnesty: Iran will Tausch erzwingen

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International wirft dem Iran vor, den Mann als "Geisel" zu halten. Durch die Exekutionsdrohung sollen westliche Länder dazu gebracht werden, "Vertreter des iranischen Staats" auszutauschen, "die im Ausland verurteilt wurden oder vor Gericht stehen", heißt es in einer Aussendung der NGO.

Nach Angaben von Amnesty International wollen die iranischen Behörden Belgien und Schweden dazu zwingen, zwei inhaftierte ehemalige iranische Beamte auszuliefern. Bei den beiden ehemaligen Beamten handle es sich um Asadollah Asadi, einen damals in Wien akkreditierten iranischen Diplomaten, der in Belgien eine 20-jährige Haftstrafe für seine Rolle bei einem 2018 vereitelten Bombenanschlag in Frankreich verbüßt, und Hamid Nouri, einen ehemaligen Gefängnisbeamten, der in Schweden wegen seiner mutmaßlichen Beteiligung an den iranischen Gefängnismassakern von 1988 vor Gericht steht, so die Menschenrechtsorganisation. Der Prozess findet auf Grundlage des Weltrechtsprinzips statt, das der Justiz auch Strafverfahren für Vergehen außerhalb des eigenen Staatsgebiets ermöglicht. Das Urteil wird am 14. Juli erwartet.

Abschreckungseffekt

Teheran wolle zudem den Druck erhöhen, um vor künftiger Strafverfolgung iranischer Vertreter abzuschrecken, hieß es von Amnesty. Diana Eltahawy, stellvertretende Amnesty-Direktorin für den Nahen Osten und Nordafrika, warf dem Iran den Versuch vor, "den Gang der Justiz zu pervertieren". Gegen Irans Behörden solle "wegen Geiselnahme ermittelt werden". Amnesty International fordert die iranischen Behörden auf, alle Pläne zur Hinrichtung von Djalali aufzugeben, ihn sofort freizulassen und Wiedergutmachung für den Schaden anzubieten, den sie ihm zugefügt haben.

Der iranisch-schwedische Forscher Djalali hatte seinen Arbeitsplatz am Karolinska Medical Institute in Stockholm, bevor er im April 2016 während einer Reise in den Iran festgenommen wurde. Im Jahr darauf wurde er zum Tode verurteilt. Die iranische Justiz befand ihn für schuldig, Informationen an den israelischen Geheimdienst Mossad geliefert zu haben, was dann zur Ermordung zweier iranischer Atomwissenschafter geführt habe.

Schweden gewährte Djalali die Staatsbürgerschaft, während er sich im Februar 2018 bereits in Haft befand. Sein Todesurteil wurde unter anderem von Menschenrechtsorganisationen und Vertretern der Uno scharf kritisiert.

Weitere Doppelstaatsbürger in Haft

Derzeit befinden sich mindestens 17 Doppelstaatsbürger aus Europa und Amerika in iranischer Gefangenschaft, teilte Amnesty International am Donnerstag weiter mit. Darunter sind auch der österreichische IT-Berater Kamran Ghaderi und der Generalsekretär der Österreichisch-Iranischen Gesellschaft, Massud Mossaheb.

"Trotz schwerer gesundheitlicher Probleme wird ihnen eine angemessene medizinische Versorgung von den iranischen Behörden verweigert. Ihre Angehörigen sprechen bereits seit längerem von Geiselhaft und haben erst vor kurzem gemeinsam mit anderen Betroffenen in einem offenen Brief den österreichischen Außenminister Schallenberg aufgefordert, diesbezüglich tätig zu werden", so Amnesty in der Aussendung. Angesichts der aktuellen Erkenntnisse werde die Menschenrechtsorganisation nun in weiteren Fällen untersuchen, ob es sich bei der willkürlichen Inhaftierung um einen Verstoß gegen das Übereinkommen gegen Geiselnahme handle. (red, APA, 20.5.2022)