Entwurzelte Bäume inmitten von Lippstadt.

Foto: IMAGO/Achim Duwentäster

Nach den Tornados mit schweren Schäden im Osten Nordrhein-Westfalens gehen die Aufräum- und Reparaturarbeiten weiter. Schon am Samstag waren viele Dachdecker im besonders betroffenen Paderborn im Einsatz, um stark beschädigte Häuser zu reparieren. Weit mehr als 100 Gebäude weisen nach einer ersten Bilanz Sturmschäden auf, Betriebe im hohen zweistelligen Bereich hätten mit enormen Schäden zu kämpfen, hieß es von der Stadt Paderborn.

Laut Deutschem Wetterdienst (DWD) traten Tornados in Paderborn, Lippstadt und in Lütmarsen, einem Ortsteil der ostwestfälischen Stadt Höxter, auf. Orkanartige Böen gab es auch in anderen Teilen Deutschlands. In Bayern wurden am Freitag 14 Menschen, darunter auch mehrere Kinder, beim Einsturz einer Holzhütte in Spalt nahe dem Großen Brombachsee verletzt. Eine 37-Jährige wurde schwer verletzt in eine Klinik gebracht, ein Kind mit einem Hubschrauber ebenfalls ins Krankenhaus geflogen.

NRW prüft Hilfen

Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) dankte den Einsatzkräften und Helfern bei einem Besuch vor Ort und machte deutlich, dass die enormen Schäden nicht über Nacht beseitigt werden können. "Ganz, ganz herzlichen Dank für all das, was hier schon geleistet worden ist und auch in den nächsten Tagen und Wochen sicher noch an Arbeit ansteht."

Wüst kündigte zudem an, dass die Landesregierung in den nächsten Tagen Hilfen prüfen werde. "Hier wird sehr vieles versichert sein. Und da, wo Bedarf ist, werden wir genau prüfen, wie wir helfen können. Wir haben ja auch Schäden an der öffentlichen Infrastruktur gesehen", erläuterte der Regierungschef. Es müsse jetzt zunächst genau bewertet werden, wo Schäden nicht abgedeckt seien – vermutlich auch bei der öffentlichen Infrastruktur in den Kommunen, erklärte er.

Paderborns Bürgermeister Michael Dreier (CDU) berichtete von Bäumen und Ampeln, die wie Streichhölzer umgeknickt worden seien. Leitschienen seien wie Papierschnipsel durch die Luft geflogen. Aufgewirbelte Dachziegel hätten sich in die Fassaden benachbarter Häuser "gefressen". Auch gingen viele Scheiben zu Bruch. Wohnungen seien zunächst unbewohnbar, Betriebe zerstört.

In Ottawa stürzten Strommasten um.
Foto: AP/Tang

Todesopfer in Nordamerika

Im Osten Kanadas sind bei heftigen Gewittern vier Menschen ums Leben gekommen. In den Provinzen Ontario und Quebec fiel in fast 900.000 Haushalten der Strom aus.

Im Bezirk Brant südlich von Toronto sei ein Baum auf einen Wohnwagen gestürzt, teilte die Polizei von Ontario auf Twitter mit. Dabei sei ein Mann im Inneren des Wagens ums Leben gekommen. In der selben Gegend sei eine ältere Frau, die bei dem Sturm zu Fuß unterwegs war, ebenfalls von einem Baum erschlagen worden. Ein weiteres Todesopfer gab es in der Hauptstadt Ottawa, die Polizei äußerte sich aber nicht zu den Umständen.

Zudem ertrank in einem Vorort von Ottawa eine um die 50 Jahre alte Frau, wie der kanadische Sender CBC unter Berufung auf die örtliche Polizei berichtete. Ihr Boot sei im Sturm im Fluss Ottawa gekentert.

In Gaylord wurden mindestens 44 Menschen verletzt.
Foto: AP/Russell

Bei einem Tornado im Norden des US-Bundesstaats Michigan sind nach übereinstimmenden Medienberichten mindestens zwei Menschen ums Leben gekommen und 44 weitere verletzt worden. Die Sender CNN und ABC meldeten am Samstag unter Berufung auf die Behörden, der Sturm sei am Vortag mit Windgeschwindigkeiten von schätzungsweise bis zu 225 Kilometern pro Stunde durch den Ort Gaylord gezogen. CNN berichtete von "katastrophalen" Zerstörungen.

Tornados sind in der Region eigentlich unüblich. Michigans Gouverneurin Gretchen Whitmer teilte mit, sie habe für den Bezirk Otsego, in dem Gaylord liegt, den Notstand ausgerufen. "Wir werden für den Wiederaufbau alles tun, was nötig ist." (APA, red, 22.5.2022)