Kann zufrieden sein mit der Saison: Manfred Schmid.

Foto: APA/EXPA/HAUMER

Mit dem 4:2-Heimsieg über Vizemeister Sturm Graz hat die finanziell angeschlagene Wiener Austria am Samstag dank des unerwartet erfolgreichen Endes einer Bundesligasaison voller möglicher Fallstricke in den Partymodus geschaltet – und blickt doch einer etwas ungewissen Zukunft entgegen. Denn welche Truppe die erste Europacup-Gruppenphase seit fünf Jahren in Angriff nimmt, ist derzeit nicht abzusehen. "Es wird nicht einfacher werden", meinte auch Trainer Manfred Schmid.

Sicher ist den Wienern, die dank BL-Platz drei im Play-off zur Europa League ein- und im Falle des dortigen Ausscheidens in die Gruppenphase der Conference League umsteigen, eine Antrittsprämie von rund 3,6 bzw. 2,9 Millionen Euro. "Natürlich ist das sehr, sehr schön, wenn wir im ersten Jahr sehr viel Geld einspielen können", freute sich Schmid, dessen Club unter finanziellen Altlasten stöhnt und wohl nicht nur aus reiner Überzeugung verstärkt auf junge Akteure setzte.

Verabschiedet

Auch wenn die Mannschaft im Schnitt keine klassisch junge ist und der Beitrag von Routiniers wie den am Samstag teils unter Tränen in die Fußballpension verabschiedeten Alexander Grünwald und Markus Suttner nicht zu unterschätzen ist: Spieler wie Matthias Braunöder (20 Jahre), Eric Martel (20) oder Aleksandar Jukic (21) prägten die abgelaufene Saison, auch Leonardo Ivkic, Muharem Huskovic, Noah Ohio und Can Keles zählen zu diesem Kreis.

"Die Entwicklung der jungen Spieler ist überragend", erklärte Schmid. "Das ganze Team ist zusammengewachsen. Die Spieler sind am Boden geblieben. Ich habe auch einen tollen Eindruck, wie die Spieler miteinander umgehen." Als man Mitte September in der 7. Runde als Tabellenletzter beim LASK 2:0 gewonnen hatte, sei ihm klar gewesen, dass sein Team das Potenzial einigermaßen würde ausreizen können. Aber auch, wie man sich mit vier Siegen en suite noch in die Meistergruppe spielte, "hat mich beeindruckt", erinnerte sich Schmid.

Aussicht

Der Sommer wird wohl einen doch empfindlichen personellen Umbruch bringen. Suttner und Grünwald spielen ab sofort nur noch in der Geschäftsstelle, die Leihen von Mittelfeldmann Martel und Stürmer Ohio enden. Der Bundesliga-Tormann der Saison, Patrick Pentz, wurde zuletzt gerüchteweise mit Schalke 04 in Verbindung gebracht. Und auch Mittelfeldakteur Braunöder, eben zum BL-Newcomer der Saison gekrönt, dürfte einige Angebote am Tisch liegen haben.

"Die nächste Saison wird nicht einfacher werden, wenn man schaut, welche Führungsspieler, welche erfahrenen Spieler weggehen. Und der eine oder andere wird uns noch verlassen. Das ist leider so ein einer finanziellen Situation wie unserer", gab Schmid zu bedenken. Man sei "natürlich schon in der Planung", meinte der 51-Jährige. Das Ziel: "Wir spielen in einer europäischen Gruppenphase. Der Kader muss größer werden, die Kaderqualität muss sich verbessern", stellte Schmid klar. "Ich habe das (als Co-Trainer, Anm.) bei Köln erlebt, als wir in die Gruppenphase gekommen sind. Da hatten wir nur 13, 14 Spieler zur Verfügung und die mussten alle drei, vier Tage spielen. Das wird wahrscheinlich nicht funktionieren, deswegen bin ich vorgewarnt."

Verkraften

"Ganz, ganz dringenden" Bedarf sah er in der Offensive. "Wir hatten unzählige Chancen in dieser Saison, da können wir uns klar verbessern." Sicher sei aber nur eines: "Ich kann nur versprechen, dass die Jungs noch fitter werden", gab Schmid zu Protokoll. "Wir werden uns aber auch im nächsten Jahr hohe Ziele setzen."

Aufseiten des Vizemeisters, der nach dem Heim-1:4 die zweite klare Niederlage in Folge kassierte, war die Freude "natürlich ein bisschen getrübt", wie Trainer Christian Ilzer betonte. "Wir wollten die Spannung hochhalten. Im Moment schmerzt das ein bisschen. Es ist aber auch menschlich, dass man in gewissen Bereichen dann nicht mehr dieses Level erreicht."

Sturm wird es verkraften können, die nächsten Aufgaben warten. Die Champions-League-Qualifikation etwa oder das Ziel, näher an Salzburg heran zu schnuppern. "Wir haben in dieser Saison ein hervorragendes Teamwork gehabt, enorme Laufbereitschaft. Wir müssen schauen, dass wir diese Grundlagen wieder schnell erreichen", sagte Ilzer. "Und dann auf der Spitze mit qualitativen Fortschritten in allen Phasen noch zulegen können, um vielleicht den Abstand zu Salzburg zu verringern." (APA, 22.5.2022)