Affenpocken sind, wie Corona-Viren, mittels PCR-Test nachweisbar.

Foto: DADO RUVIC

Vermutlich war es nur eine Frage der Zeit: Am Sonntag wurde der erste Fall von Affenpocken auch in Österreich bestätigt. Der 35-jährige Patient befindet sich laut Angaben der Klinik Favoriten seit der Nacht auf Sonntag isoliert auf der Infektionsstation. Es gehe ihm "den Umständen entsprechend gut", so der behandelnde Arzt Christoph Wenisch. Auch weltweit steigt die Zahl der Fälle weiter an.

Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind sie bisher hauptsächlich in Europa registriert worden, aber auch in Kanada, den USA, in Australien und Lateinamerika gibt es bereits gemeldete Infektionen oder Verdachtsfälle. Laut WHO wird derzeit an Leitlinien zur Eindämmung der Ausbreitung gearbeitet, die Organisation warnt vor einer Ausbreitung der Affenpocken in Europa. Vor allem Massenveranstaltungen, Festivals und Partys könnten die Übertragung vorantreiben. Laut Gesundheitsminister Joahnnes Rauch (Grüne) gebe es aber in Österreich "aktuell keinen Anlass zur Sorge." Wie sieht das Risiko für die Bevölkerung aus?

Frage: Die Behörden schätzen das Risiko, das von den Affenpocken ausgeht, derzeit als gering ein. Dennoch werden täglich neue Fälle gemeldet. Wie passt das zusammen?

Antwort: Affenpocken sind keine neue Erkrankung. Die Viren wurden bereits 1958 entdeckt, und sie tauchen seitdem immer wieder auf – auch in Europa. Der Unterschied: Bisher konnten Fälle auf Reisetätigkeiten zurückgeführt werden, etwa wenn Infizierte aus manchen afrikanischen Ländern, in denen die Affenpocken als endemisch gelten, zurückkehrten. Infektiologe Herwig Kollaritsch von der Med-Uni Wien erklärt: "Im Moment sind es noch nicht besorgniserregend viele Fälle. Es kommt uns nur so vor, weil früher die Verfolgung der Fälle nicht so schnell lief wie jetzt – ein angenehmer Nebeneffekt der Corona-Pandemie."

Frage: Kann das Affenpockenvirus mutieren und uns mit einer ansteckenderen Variante überraschen?

Antwort: Wohl eher nicht. "Alle Viren können mutieren, aber die Wahrscheinlichkeit ist bei den Affenpocken relativ gering", sagt Virologin Redlberger-Fritz. DNA-Viren wie das Affenpockenvirus seien wesentlich stabiler als RNA-Viren wie Sars-CoV-2. Auch Kollaritsch sieht wenig Gefahr: "Wir kennen das Virus schon lange. Bisher hat es seine Charakteristika nicht geändert, und ich glaube auch nicht, dass es das noch tun wird. Pockenviren sind kaum mutationsgefährdet."

Frage: Auf welche Symptome gilt es zu achten, und was muss man tun, wenn diese auftreten?

Antwort: Die klassischen Symptome sind Fieber, Lymphknotenschwellung, eventuell Hautrötung und Pusteln. Wichtig sind dabei auch die Rahmenbedingungen: Treten die Symptome in Verbindung mit einem intimen Kontakt zu einer an Affenpocken erkrankten Person (Küssen, Geschlechtsverkehr, Haushaltskontakt), mit einer Reise nach West-, Zentralafrika oder mit einem Kontakt zu einem infizierten Tier (insbesondere Nagetiere) innerhalb der letzten 21 Tage vor Symptombeginn auf, könnte es sich um Affenpocken handeln.

In so einem Fall soll ein Arzt, eine Ärztin oder eine dermatologische Ambulanz kontaktiert werden – der Besuch sollte jedenfalls telefonisch abgesprochen werden. Vor Ort gilt, eine FFP2-Maske zu tragen und vorhandene Rötungen, Bläschen oder Pusteln abzudecken.

Frage: Wie kann man sich am besten schützen? Ist eine Pockenimpfung sinnvoll?

Antwort: Alle, die eine Pockenimpfung erhalten haben, sind auch gut vor den Affenpocken geschützt. Genaue Daten dazu gibt es nicht, Fachleute gehen aber von einer sogenannten Kreuzprotektivität von bis zu 85 Prozent aus. Die USA haben beispielsweise im Rahmen der Pandemievorsorge große Vorräte an Pockenimpfstoff angelegt. Wie groß Österreichs Vorrat ist, sagt das Gesundheitsministerium nicht. In Abstimmung mit europäischen Behörden werde aktuell geprüft, ob und welcher Impfstoff in Österreich zum Einsatz kommt, heißt es aus dem Ministerium. Sich selbst oder Kinder jetzt gegen die Pocken impfen zu lassen sei laut Virologin Monika Redlberger-Fritz jedenfalls "überhaupt nicht notwendig", die Affenpocken seien "nicht sehr leicht übertragbar".

Frage: Was bedeutet das genau? Wie steckt man sich von Mensch zu Mensch an?

Antwort: Bisher gibt es kaum verlässliche Daten zur Übertragungsfähigkeit des Virus. Was man aber weiß: Für die Übertragung braucht es sehr engen, intensiven, möglicherweise intimen Kontakt. Die Affenpocken sind nur in der Frühphase der Erkrankung auch über Tröpfchen und Aersole beim Husten oder Sprechen übertragbar, hauptsächlich steckt man andere allerdings über diese Hauteffloreszenzen – also diese Pusteln und Bläschen, die sich bilden – an. Dort ist die Viruskonzentration am höchsten, vor allem die Bläschenflüssigkeit ist hochinfektiös. Auch beim Abheilen sind die abfallenden Krusten immer noch ansteckend.

Frage: Kennt man schon den Ursprung der aktuellen Infektionshäufung in Europa?

Antwort: Derzeit wird der Ansteckungsherd noch untersucht. "Es gibt allerdings Vermutungen, dass es eine Erstinfektionskette im Rahmen der Gay Pride auf den kanarischen Inseln gäbe, das ist aber noch nicht bestätigt", sagt Infektiologe Kollaritsch. Und Redlberger-Fritz erklärt den Infektionsweg so: "Intime Kontakte sind ein möglicher Übertragungsweg für das Virus, aber das Virus macht da keinen Unterschied zwischen Geschlechtern. Frauen können das Virus genauso gut oder schlecht übertragen wie Männer, und die sexuelle Orientierung spielt da auch überhaupt keine Rolle."

Eine Pockenimpfung für sich selbst oder die Kinder sei laut Virologin Monika Redlberger-Fritz nicht notwendig – die Affenpocken seien "nicht sehr leicht übertragbar".
Foto: Dado Ruvic

Frage: Gibt es ein Medikament?

Antwort: "Es gibt eine spezifische Therapie und wir kennen den Infektionsweg. Das ist insgesamt eine medizinisch günstige Situation", stellt Infektiologe Christoph Wenisch vom SMZ Süd in Wien klar. Neben symptomatischer Behandlung könnte bei Infizierten auch eine Pockenimpfung sinnvoll sein, erklärt Redlberger-Fritz: "Man kann die Impfung als Abriegelungsimpfung von direkten, weil Kontaktpersonen einsetzen. Pockenimpfstoffe sind sehr gut wirksam, auch gegen die Affenpocken und auch im Nachhinein."

Frage: Noch ist die Erkrankung nicht meldepflichtig. Muss man die Gesundheitsbehörden dennoch kontaktieren?

Antwort: Für die Abklärung ist der kontaktierte Arzt oder die Ärztin zuständig. Dieser oder diese halte Rücksprache mit der zuständigen Gesundheitsbehörde, heißt es aus dem Gesundheitsministerium. Handelt es sich um einen Verdachtsfall, wird die Person isoliert und die Laboruntersuchung gestartet. Die Gesundheitsbehörde kann auch – wie im Fall des 35-Jährigen – eine Desinfektion der Wohnung anordnen.

Frage: Was passiert mit den Kontakten des oder der Infizierten?

Antwort: Im Moment noch nichts, wie das Büro des Wiener Gesundheitsstadtrates Peter Hacker (SPÖ) festhält. Zwar wurden im Falle des Wieners die engen Kontakte des oder der Betroffenen im Rahmen des Contact-Tracings kontaktiert. Weil es sich aber noch um keine meldepflichtige Erkrankung handelt, können diese aktuell nicht behördlich abgesondert werden. Das dürfte sich aber recht schnell ändern: Die Fachdokumente für das Contact-Tracing sollen laut Ministerium spätestens Mittwochvormittag vorliegen. Auch die Meldepflicht – und folglich die Möglichkeit zur Absonderung – soll bis dahin umgesetzt werden.

Frage: Wie ist Österreich beim Contact-Tracing aufgestellt?

Antwort: Das Ministerium sieht die zuständigen lokalen Gesundheitsbehörden aufgrund ihrer langjährigen Erfahrung und wegen – oder trotz – der Corona-Pandemie "in dieser Tätigkeit geübt und gut vorbereitet". Allerdings bestehe weiterhin kein Grund zur Besorgnis. Denn: Europaweit handle es sich bei den bestätigten Fällen nach wie vor um Einzelfälle. Eine Entwicklung hin zu einem breiten Infektionsgeschehen scheine derzeit äußerst unwahrscheinlich. (Jasmin Altrock, Magdalena Pötsch, Elisa Tomaselli, 23.5.2022)