Die Schwedin Lykke Li ist mit einem wunderschönen neuen Album zurück.

Foto: Owen Sweeney/Invision/AP

Flume – Palaces

Flume schaut so aus, wie man sich das Klischee von einem australischen Elektronik-DJ und Produzenten vorstellt: ein sorgenfreier Feschak, der nach seinem Set auf einem Känguru Richtung Sonnenuntergang reitet. Sein 2012er-Debüt passte zum Bild. Loungige Beats, die man ignorieren konnte. Doche Flume schärfte mittels Kompressionstechniken und Beat-Dekonstruktion seine Vision. In ihren besten Momenten klingt die absolut nicht gefällig oder tanzbar, sondern eher dystopisch. Auf Palaces verbindet er nun Pop-Melodien mit seinem eigenständigen, brachial-futuristischen Sound.

Flume

Lykke Li – Eyeye

Bei der Schwedin Lykke Li hat der Herzschmerz etwas Pathologisches. Ihre Alben drehen sich also auf verschiedene musikalische Weisen um dieses eine große Thema: die Traurigkeit. Zuletzt versuchte Li sie auf ihrem Album So Sad, So Sexy mit Trap-Beats zu unterlegen, was ordentlich danebenging. Eyeye dagegen wird dem Leid mit einem berührenden, reduzierten Lo-Fi-Sound gerecht. Die Songs des Albums stehen in starkem Kontrast zu Lykke Lis früheren Schmerzhymnen, bei denen oft etwas gar dick aufgetragen wurde. Inhalt und Klang passen nun perfekt zusammen. Schön!

Lykke Li

Porridge Radio – Waterslide, Diving Board, Ladder to the Sky

Die Britin Dana Margolin ist Kopf des Quartetts Porridge Radio aus Brighton und hat gar kein Problem damit, genau die peinlich-schmerzvollen Gedanken herauszubrüllen, die wir alle schon einmal hatten, aber für uns selbst behalten haben: "I don’t want to feel a thing", "I don’t want to be forgotten" und "I don’t want to be alone" bringt sie sogar in einem einzigen Lied, Birthday Party, unter. Waterslide, Diving Board, Ladder to the Sky ist ein berührendes Indie-Rock-Album zwischen Frustration, Verletzlichkeit (Jealousy, zum Plärren!) und großer Zärtlichkeit geworden.

PorridgeRadioVEVO

(Amira Ben Saoud, 24.5.2022)