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Frankfurt – Mitarbeiter der Staatsanwaltschaft Frankfurt am Main, der deutschen Finanzaufsicht Bafin und des deutschen Bundeskriminalamts haben am Dienstag die Firmenzentralen der Deutschen Bank und ihrer Tochter DWS durchsucht. Die Razzia stehe im Zusammenhang mit Greenwashing-Vorwürfen gegen den Vermögensverwalter DWS, sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft am Dienstag. Wegen des Verdachts des Kapitalanlagebetrugs werde gegen bislang unbekannte Mitarbeitende und Verantwortliche der DWS ermittelt. Das Ermittlungsverfahren werde seit Mitte Jänner geführt.

"Wir haben in dieser Angelegenheit kontinuierlich und umfassend mit allen relevanten Regulierungsbehörden zusammengearbeitet und werden dies auch weiterhin tun", erklärte ein DWS-Sprecher. Die Deutsche Bank bekräftigte diese Stellungnahme. Die Aktien der Deutschen Bank und der DWS fielen um jeweils mehr als zwei Prozent.

Vorwürfe stehen seit Vorjahr im Raum

Die DWS war im vergangenen Jahr in die Schlagzeilen geraten, nachdem Anschuldigungen laut wurden, der Vermögensverwalter sei zu lax mit den Kriterien für "grüne" Investments umgegangen und habe Greenwashing betrieben. Demnach verkaufe der Vermögensverwalter DWS bei der Vermarktung von sogenannten "grünen Finanzprodukten" (ESG-Produkte – Environment, Social, Governance) diese als "grüner" und "nachhaltiger", als sie tatsächlich seien. Erhoben worden waren die Vorwürfe von der früheren Leiterin des Unternehmensbereichs Nachhaltigkeit, Desiree Fixler, die die DWS im Frühjahr 2021 nach nur wenigen Monaten im Job verließ. Sie hatte sich 2021 als "Whistleblower" zunächst der US-Börsenaufsicht SEC und dem FBI offenbart. Die DWS hat die Vorwürfe stets bestritten.

Die Frankfurter Staatsanwaltschaft sieht nach deren Prüfung Anhaltspunkte dafür, dass ESG-Faktoren entgegen der Angaben in Verkaufsprospekten von DWS-Fonds nur in einer Minderheit der Investments tatsächlich berücksichtigt worden sind. In einer Vielzahl von Beteiligungen hätten sie keine Beachtung gefunden. (Reuters, red, 31.5.2022)