15 Prozent der jungen Akademikerinnen und Akademiker sind (eher) unzufrieden mit ihrem Gehalt. Im Vorjahr lag dieser Wert noch bei rund zehn Prozent.

Foto: Getty Images/EyeEm

Nach über zwei Jahren Pandemie blicken junge Menschen in Österreich wieder optimistischer auf ihre berufliche Zukunft. Das zeigt der neueste "Jungakademiker:innenmonitor" von Fip.s, einem Spezialisten für die Karriere- und Finanzplanung von Studierenden und jungen Akademikern. Befragt wurden 500 Personen, die bereits ein Studium abgeschlossen haben oder in den nächsten zwölf Monaten abschließen werden.

Angesichts steigender Inflation und Lebenserhaltungskosten wächst gleichzeitig die Unzufriedenheit mit dem Gehalt. 15 Prozent der Befragten sind demnach (eher) unzufrieden mit dem eigenen Einkommen. Im Vorjahr lag dieser Wert noch bei knapp zehn Prozent. Rund ein Viertel ist zumindest teilweise zufrieden. Eine Gehaltsverhandlung mit dem Arbeitgeber strebt die Mehrheit (57 Prozent) laut der Umfrage aber nicht an. Ein Fünftel gab an, dass Gehälter bei ihrem Arbeitgeber generell nicht aktiv verhandelt werden.

Entspannter zum Bewerbungsgespräch

Im Hinblick auf den Bewerbungsprozess zeigen sich die jungen Akademikerinnen und Akademiker im Vergleich zur Vorjahrsbefragung entspannter. Die Vorbereitungszeit vor Bewerbungsgesprächen fällt ähnlich wie vor der Krise aus: 30 Prozent planen dafür rund eine Stunde ein, ein Viertel zwischen einer und drei Stunden. Zudem haben sich die Befragten mit Anforderungen der "neuen Normalität" arrangiert. Zentrale Herausforderungen der Vorjahresbefragung – etwa der Umgang mit digitalen Bewerbungsrunden – haben an Relevanz verloren. Sowohl die Präsentation der eigenen Persönlichkeit sowie der eigenen Kenntnisse und Fähigkeiten bereiten ihnen heuer weniger Sorgen.

Doch obwohl sich über zwei Drittel der Befragten sehr gut oder gut auf den Bewerbungsprozess vorbereitet fühlen, bleiben Unsicherheiten bestehen. Nach wie vor größte Hürde im Bewerbungsgespräch bleibt mit großem Abstand die Gehaltsverhandlung (68 Prozent), gefolgt von der Reaktion auf unangenehme Fragen (50 Prozent).

Chance nicht wahrgenommen

Doch auch nach erfolgreichem Karrierestart beschäftigt das Thema Gehaltsverhandlung die Jungen weiter. Rund ein Drittel der Befragten fühlt sich eher oder sehr schlecht darauf vorbereitet. Ebenso viele geben an, sich nur teilweise vorbereitet zu fühlen. Gleichzeitig wenden die Befragten weniger Zeit für die Vorbereitung auf als im Vorjahr. Weniger als die Hälfte bereitet sich demnach eine Stunde oder länger auf eine konkrete Gehaltsverhandlung vor. Der Anteil jener, die sich gar nicht vorbereiten, hat sich im Vergleich sogar auf rund sechs Prozent verdoppelt. Auffällig ist zudem, dass sich Frauen tendenziell intensiver als Männer auf Gehaltsverhandlungen vorbereiten, sich aber deutlich öfter eher bzw. schlecht vorbereitet fühlen.

Als größte Herausforderungen nannten die Befragten, sich bei der Gehaltsverhandlung unwohl zu fühlen (66 Prozent), gefolgt von dem Umgang mit einer ablehnenden Reaktion des Arbeitgebers sowie dem Finden einer Verhandlungsstrategie (jeweils 62 Prozent). Weiters bereiten die Festlegung der Gehaltserhöhung und den richtigen Zeitpunkt zu wählen mehr als der Hälfte Schwierigkeiten. Die Bedeutung der eigenen Leistung für den Arbeitgeber einzuschätzen ist laut der Umfrage für 44 Prozent herausfordernd.

Dabei spielt ein erwartetes höheres Einkommen für über zwei Drittel der Befragten bereits bei der Wahl des Studienfachs eine zentrale Rolle – im letzten Jahr lag dieser Wert noch bei 60 Prozent. Auch die Selbstständigkeit gewinnt heuer an Attraktivität. Während acht Prozent der Befragten bereits selbstständig sind, gaben 46 Prozent an, eine Selbstständigkeit anzustreben oder es sich grundsätzlich vorstellen zu können. Der Anteil jener, die eine selbstständige Tätigkeit ausschließen, sank im Vergleich zum Vorjahr von 19 auf 16 Prozent. (red, 1.6.2022)