Die Journalistin Wagner wurde vom damaligen oe24.at-Chefredakteur Schmitt mehrmals in die Nähe des Ibiza-Videos gestellt – zu Unrecht.

Foto: DER STANDARD / Heribert Corn

"Sex, Rache und Kokain" – mit solchen Schlagzeilen haben die Tageszeitungen "Österreich" und "Oe24" nach Erscheinen des Ibiza-Videos für wilde Spekulationen über die sogenannten Hintermänner der Aufnahmen aus der Finca auf Ibiza gesorgt. Eine Frau soll dabei Teil des als kriminell dargestellten Netzwerks gewesen sein: die TV-Moderatorin Katia Wagner.

Mit einer Reihe an Klagen wehrte sich Wagner gegen die Vorwürfe und bekam recht. Sie erkämpfte Gegendarstellungen und insgesamt 55.500 Euro an Entschädigung. Jetzt muss die Mediengruppe Österreich Wagner noch einmal mit weiteren 5.000 Euro entschädigen. Das entschied das Handelsgericht Wien in einem nicht rechtskräftigen Urteil von Ende Mai.

Beim aktuellen Urteil handelt es sich um weitere zivilrechtliche Ansprüche, die Wagner mithilfe ihres Anwalts Michael Rami geltend machte. Wagner steht laut Richterin Christiane Kaiser eine zusätzliche Entschädigung zu, da sie durch die Aufmachung der Artikel mit ihren Bildern besonders bloßgestellt worden sei. Die Veröffentlichungen hätten eine "massive Beeinträchtigung des sozialen Ansehens" von Wagner zur Folge gehabt.

Berufung angekündigt

Anders sieht das Peter Zöchbauer, Anwalt der Mediengruppe Österreich. Er wird gegen das Urteil berufen, sagte er dem STANDARD. Im konkreten Fall sehe er keinen Anspruch auf eine "Doppelentschädigung".

Teil dieses Rechtsstreits war auch ein Vergleich, wonach die Fellner-Medien es unterlassen zu behaupten, dass Wagner in die Produktion oder Verwertung des Ibiza-Videos involviert gewesen sei oder dass gegen sie ermittelt worden sei.

Schmitt wollte Wagner abwerben

Wagner wurde in 16 teilweise wortidenten Artikeln Ende 2019 zu Unrecht in die Nähe eines kriminellen Netzwerks gestellt – DER STANDARD berichtete. Die meisten der inkriminierten Artikel waren namentlich vom damaligen Oe24.at-Chefredakteur Richard Schmitt gezeichnet. Für die Behauptung, Wagner sei in die Produktion oder Verwertung des Ibiza-Videos involviert gewesen, fehlte aber jeder Beweis, urteilten bereits mehrere Richter.

Die "Krone" hatte sich nach dem Ibiza-Video von Schmitt getrennt, da seine Nähe zu Ex-Vizekanzler Heinz-Christina Strache zu offensichtlich wurde. Schmitt wollte Wagner nach seinem Wechsel von krone.at zu oe24.at zu seinem damals neuen Arbeitgeber mitnehmen. Nach Wagners Absage soll es zu den inkriminierten Artikeln gekommen sein.

Klagen wegen Belästigungsvorwürfen

Wagner führt aber nicht nur wegen der Ibiza-Berichte Verfahren gegen die Mediengruppe Österreich und deren Gründer Wolfgang Fellner. Sie ist eine von mehreren Frauen, die gegen Fellner Vorwürfe der sexuellen Belästigung erheben. Fellner konterte mit etlichen Artikeln, in denen Wagner als Lügnerin dargestellt wurde. Das brachte Fellner bereits zwei strafrechtliche Verurteilungen wegen übler Nachrede ein.

Katia Wagner auf Twitter.

Wagner nimmt die etlichen juristischen Auseinandersetzungen mit Fellner und seinen Medien mit Humor: Auf Twitter postete sie eine Ansichtskarte an ihren Ex-Chef, die sie ihm von den Malediven geschickt haben will. (Laurin Lorenz, 2.6.2022)