Radfahren wird beliebter – und spricht mit den E-Bikes auch ältere Bevölkerungsgruppen an, die bisher wenig mit störrischen Drahteseln anfangen konnten. In Wien etwa hat sich das Radverkehrsaufkommen zuletzt in nur sieben Jahren um 28 Prozent gesteigert. Gleichzeitig hat sich die Radinfrastruktur nur marginal verbessert. Was wäre erst gewesen, wenn der Platz für Radfahrerinnen und Radfahrer ebenfalls um 28 Prozent mehr geworden wäre?

In Wien etwa hat sich das Radverkehrsaufkommen zuletzt in nur sieben Jahren um 28 Prozent gesteigert.
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Mit einer Novelle der Straßenverkehrsordnung soll Radfahren nun attraktiver werden: mit Regeln, die generell Fahren gegen die Einbahn oder – mit Ausnahmen – das Nebeneinanderfahren erlauben. Mit Schildern, die auch Rechtsabbiegen bei Rot ermöglichen. Oder mit Vorgaben, die Autofahrern beim Überholen einen Seitenabstand vorschreiben.

Damit rückt das grün geführte Verkehrsministerium das Thema Rad vom Rand etwas mehr in Richtung Mitte. Und es bedeutet, dass sich Autofahrerinnen und Autofahrer damit beschäftigen müssen. Kommt das fast flächendeckende Radeln gegen die Einbahn, wird das zu Konflikten führen. Autofahrer sind gezwungen, noch mehr als bisher auf andere Verkehrsteilnehmer zu achten. Wird es enger, kann es gefährlicher auf den Straßen werden. Aber niemand hindert Städte und Gemeinden daran, Radlern und Fußgängern mehr Platz zu geben. Notfalls kann ja auf Parkplätze verzichtet werden. (David Krutzler, 1.6.2022)