Jason Moran kommt nach Saalfedlen.

Reuters

Nach zwei Jahren mit viel pandemiebedingter Improvisation – eine Fähigkeit, die dem Jazz nicht gerade fremd ist – soll die 42. Ausgabe des Jazzfestivals Saalfelden heuer im August wieder planmäßig über die zehn Bühnen gehen. Und die Sehnsucht nach Live-Jazz scheint groß, denn mehr als zwei Drittel der aufgelegten Tickets sind bereits verkauft. Künstlerisch steht die europäische Szene im Mittelpunkt, die vor allem vom Melting Pot Berlin ausstrahlt.

An der 2019 erfolgten Neuausrichtung wird festgehalten, kündigte der künstlerische Leiter Mario Steidl am Donnerstag bei der Programmpräsentation an: Ein mehr oder weniger in sich geschlossenes Festivals mit On-Off-Shows wurde durch eine offene Veranstaltung der Begegnungen abgelöst, eine Fülle an Gratis-Konzerten bis hin zu Jazz-Wanderungen ließ die kleine Bergstadt zur Festivalstadt mutieren, die jetzt von den Einheimischen mitgelebt wird.

Mitunter freier Eintritt

Statt 25 gab es plötzlich 60 Konzerte, und diese Zahl kündigte Steidl auch für heuer an. 40 davon können ohne Eintritt besucht werden. "Bei freiem Eintritt kommen auch neue Menschen zu den Konzerten, und einige sind überrascht, weil sie sich von Jazz etwas komplett anderes vorgestellt haben. So können wir auch neues und vor allem junges Publikum gewinnen – und das ist international ein Thema."

Das Herz der Veranstaltung bleibt die Mainstage im Congress. Die Zahl der Konzerte wird dort aber von 14 auf 12 reduziert, weil sie oft bis spät in die Nacht gedauert haben. Dafür sind im Ticketpreis auch die sechs Konzerte in der Otto-Gruber-Halle inkludiert.

Auch Auftragswerke

Auf der Hauptbühne wird dieses Jahr mitunter dick aufgetragen, vier Konzerte werden von Großformationen gestaltet. "Damit wollen wir ein Zeichen setzen: Wir sind zurück. Es soll ein rauschhaftes Erlebnis, ja fast ein dionysisches Fest werden", so Steidl. Zwei Konzerte sind Auftragswerke: der Saxophonist Fabian Rucker bringt "observer" auf die Bühne, das eigentlich schon für 2020 geplant war. Das zweite gestaltet die dänische Saxophonistin Mette Rasmussen.

"Viele Gäste kommen, weil sie hier viele neue Projekte hören. 30 Prozent der Konzerte sind heuer Projekte, die es in dieser Form noch nie gegeben hat", versprach Steidl. Außerdem wird es auch heuer zwei Artists in Residence geben, die beide gleich in vier Projekten mitwirken, und zwar die Schlagzeugerin Katharina Ernst und den Schlagzeuger Gard Nilssen.

Spontane Begegnungen

Und beibehalten bleibt auch die Idee, Raum für spontane Begegnungen und Impro-Sessions zur Verfügung zu stellen. Auf die Schnelle nicht mehr geschafft haben es die Veranstalter, Künstler aus der Ukraine in den Salzburger Pinzgau zu holen, aber ein Statement könne man dennoch abgeben: Die russische Punkband Pussy Riot wird im Kunsthaus Nexus live zu hören sein.

Das Budget für 2022 liegt wie schon vor der Pandemie bei 770.000 Euro, wobei je ein Drittel durch den Kartenverkauf, private Sponsoren und öffentliche Geldgeber aufgebracht wird. Und Steidl betonte, dass Saalfelden seit jeher eines der immer weniger werdenden Festivals sei, das den Künstlern faire Gagen bezahlt. Aber auch in Sachen Klimaschutz ist das Festival aktiv:

Die Shuttle-Fahrten werden ausschließlich mit E-Autos durchgeführt, viele Künstler reisen inzwischen mit der Bahn an, Speis und Trank werden in Mehrweg-Geschirr und Pfandflaschen abgegeben und die Drucksorten seien stark reduziert worden und vielfach durch eine Handy-App ersetzt worden. "Unser Ziel ist es, ein Green Event zu veranstalten." APA,2.6.2022)