Foto: Heribert Corn

Die Aufregung um das Erscheinen von Sebastian Kurz beim Parteitag der ÖVP und den Schaden, den er dort anrichten könnte, ist kaum verklungen, schon jagt eine neue Schreckensmeldung ÖVP-Funktionären kalte Schauer über den Rücken. Zumindest wenn man Fellners "Insider" glaubt. Kurz-Buch sorgt bereits für Aufregung in der ÖVP. Der Ex-Kanzler schreibt seine politischen Memoiren. Was dahintersteckt.

Zunächst einmal nichts von Bedeutung, es gehen die Wellen in Teilen der ÖVP hoch. Die einen befürchten, die anderen hoffen, dass das Buch – er lässt es von einer "Krone"-Journalistin schreiben – den Startschuss für ein Comeback einläuten könnte. Dieser (Alp)Traum wird schon im nächsten Satz brutal zerstört. Dem dürfte nicht so sein – zumindest derzeit nicht. Es sei denn, sein amerikanischer Chef hat die Fehlinvestition erkannt und die Konsequenzen gezogen.

Ghostwriterin kann nur Maggie Entenfellner sein

Was die Ghostwriterin betrifft, kann es sich dabei nur um Maggie Entenfellner handeln. Dass sich die Verfasserin der Kolumne Lust & Liebe dafür hergibt, ist eher nicht zu erwarten, die bewegt sich wöchentlich in interessanteren Gefilden, als sie der Lebenswandel des frischgebackenen Großinvestors hergibt. Kurz wolle seine persönliche politische Sicht über seine 10 Jahre in der Spitzenpolitik darstellen. Dabei wolle er über seine Zeit als Integrationsstaatssekretär – damals galt er als Anti-Strache – ebenso wie aus seiner Zeit als Außenminister und Kanzler referieren. Damals galt er als Pro-Strache, aber nur kurz.

Was das Herstellungsverfahren betrifft, werde er der Journalistin das in mehreren Gesprächen wiedergeben. Auch Ibiza-Video, Misstrauensantrag, Pandemie und schlussendlich sein Rücktritt nach Ermittlungen gegen ihn sollen von ihm dargestellt werden. Was daran für Aufregung in der ÖVP sorgen soll, ist nicht ganz klar, sicher aber handelt es sich um ein heikles Projekt mit sehr viel Kontrolle durch Sebastian Kurz. Wer hätte gedacht, dass er sich dereinst in eigener Person der Message Control unterwirft? Sicher ist jedenfalls, das Buch wird von Kurz und seinem Anwalt akribisch kontrolliert werden.

Runder Tisch mit Ministern

Jetzt bleibt nur noch das bange Warten, denn unsicher ist, ob Frau Entenfellner Zeit für das Diktat haben wird. Es ist nämlich so, dass ein "Krone"-Etappenerfolg im Kampf für besseren Tierschutz in Österreich ins Haus steht, wie die "Krone" Mittwoch trompetete. Und da wäre sie unabkömmlich, denn vieles liegt im Argen bei den aktuellen Tierschutzbestimmungen in Österreich. Aber jetzt ist unserer Zeitung zumindest ein weiterer Etappenerfolg gelungen. Nach dem Wirbel um ein verweigertes Interview von Neo-Landwirtschaftsminister Totschnig mit "Krone"-Tierecke-Chefin Maggie Entenfellner und dessen postwendender Entschuldigung soll es nun einen Dreier-Gipfel geben.

Aber nicht irgendeinen. Entenfellner hat für kommende Woche einen runden Tisch fixiert, bei dem Landwirtschaftsminister Totschnig und Tierschutz-Minister Rauch teilnehmen. Es ist schade, dass das ersprießliche Wirken aus der Tierecke nicht auch den Menschen zugute kommen soll. Wenn Frau Entenfellner demnächst den Vorsitz im Ministerrat übernimmt und den dort herumsitzenden Personen die Wadeln nach vorne richtet, kann in Österreich endlich wieder etwas weitergehen. Dafür lohnt es sich schon, die Niederschrift der Autobiographie des größten politischen Genies, das Meidling je hervorgebracht hat, einer Redaktionskollegin zu überlassen.

Der kleine, feine Unterschied zwischen Kurz und Nehammer

Was die Selbsteinschätzung der ÖVP betrifft, lief diese Woche nicht alles so, wie es ihr Abgeordneter Hanger gern hätte. Es begann mit einem Interview in der "Presse am Sonntag", in dem der steirische Landeshauptmann zum Unterschied zwischen Kurz und Nehammer zu Letzterem anmerkte, er sei vielleicht um ein Alzerl besser als Kurz. Er dürfte das Alzerl von etwa 99 auf die 100 Prozent gemeint haben, für das Nehammer sorgte, indem er sich in Graz selbst wählte.

Zu diesem Thema musste man Mittwoch im "Kurier" lange blättern, um auf Seite 23 auf das Es reicht! von Claus Raidl zu stoßen. Was ihm reicht, ist, dass nicht nur die "neue", sondern auch die "alte" Volkspartei jedes Gefühl für Anstand und für die Einhaltung von Compliance-Regeln verloren hat. Für wie dumm halten uns diese Herren? Ist der Wähler nur mehr der "nützliche Idiot", der dafür missbraucht wird, dass sich die Parteien ihre Taschen füllen?

Aber keine Angst. Trotz dieser schrecklichen Vorfälle, die sich hoffentlich nicht wiederholen werden, werde ich weiterhin ÖVP wählen.

So weit reicht es. (Günter Traxler, 5.6.2022)