Sebastian Kurz sagte auf einer Veranstaltung der Schweizer Boulevardzeitung Blick zum Ukraine-Krieg: "Eine einfache Lösung gibt es nicht. Die gute Nachricht ist: Am Ende des Tages hat noch jeder Krieg mit Verhandlungen ein Ende gefunden."

"Am Ende des Tages hat noch jeder Krieg mit Verhandlungen ein Ende gefunden." Sebastian Kurz erregt Aufsehen.
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Das erregte ziemliches Aufsehen im STANDARD-Forum und auch bei einigen Oppositionspolitikern. Kein Wunder: Es ist historisch kompletter Unsinn, den Kurz da erzählte. Der größte Krieg der Weltgeschichte endete sowohl für Deutschland wie für Japan mit bedingungsloser Kapitulation. Ohne jede Verhandlungen. "Unconditional surrender" war das bereits 1943 bei der Konferenz von Casablanca festgelegte Kriegsziel der Westalliierten. Die Sowjetunion schloss sich dem an. Nach Hitlers Selbstmord am 30. April 1945 versuchte sein Nachfolger Dönitz, mit den Alliierten zu verhandeln. Doch die dachten keine Sekunde daran. Der Zweite Weltkrieg endete in Europa mit der bedingungslosen Kapitulation Deutschlands am 8. Mai 1945 (gegenüber der UdSSR am 9. Mai).

"Verhandlungslösungen" bedeuten, dass Feinde Kompromisse schließen. Das ist im Fall Ukraine/Russland denkbar. Aber darum geht es nicht. Der relevante Punkt ist, dass ein früherer Kanzler so wenig Ahnung von einem zentralen Ereignis der Weltgeschichte hat und falsche Analogien zum Heute zieht. Was allerdings Leute, die schon früher seine historische Unbildung kennenlernen konnten, nicht verwundert. (Hans Rauscher, 6.6.2022)