Die Innsbrucker Stadträtin Elisabeth Mayr (SPÖ) und der Salzburger Vizebürgermeister Bernhard Auinger (SPÖ) schulen nicht um, sondern fordern vom Bund eine Ausbildungsoffensive für die Kindergärten.

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Wir ziehen in Salzburg die Notbremse. Es kann nicht sein, dass wir unser Personal noch ein Jahr ausbeuten", formuliert es der Salzburger Vizebürgermeister Bernhard Auinger (SPÖ) betont heftig. Der Kindergarten mit zwei Gruppen in der Griesgasse in der Salzburger Altstadt und eine weitere Gruppe im Kindergarten Bolaring werden vorübergehend geschlossen und im September nicht wieder öffnen. Eine Konsequenz des Personalmangels in der Elementarpädagogik.

Insgesamt können in der Stadt Salzburg 26 Stellen von insgesamt 380 nicht besetzt werden, darunter fallen sechs gruppenführende Fachkräfte, sagt Monika Baumann, die Leiterin des Kindergartenreferats im Magistrat. Den Eltern der betroffenen Kinder wurden Plätze in den Kindergärten Riedenburg und Lehen angeboten.

Auch in Innsbruck gebe es ein großes Personalproblem, sagt Stadträtin Elisabeth Mayr (SPÖ). "Wir können ausbauen noch und noch, aber leere Räume bringen nichts." Nun sei der Personalschlüssel auf 20 Kinder pro Betreuerin statt bisher 25 gesenkt worden. Das sei zwar ideal für die Kinder und die Qualität, verschärfe die Personalnot aber noch weiter, sagt Mayr.

Zugang ohne Matura

"Die Situation spitzt sich immer weiter zu", sagt Auinger. Auch der größte private Träger würde im September nur mit 85 Prozent öffnen können. "Die Zeit der netten Gespräche ist vorbei", betont der Vizebürgermeister und sieht den Bund in der Pflicht. Salzburg und Innsbruck fordern eine massive Ausbildungsoffensive und die Öffnung der Ausbildungsangebote. So soll etwa das Kolleg für Elementarpädagoginnen auch ohne Matura besucht werden können. Auinger sagt, allein bei ihm hätten sich acht Frauen Mitte 40 gemeldet, die gerne auf das Kolleg gehen würden, aber die Matura nicht nachmachen wollen. Für Umsteigerinnen sei das eine gewaltige Hürde.

Geöffnet werden soll auch der Zugang zum Bachelorstudium Elementarpädagogik, zu dem derzeit nur Absolventinnen einer Bildungsanstalt für Elementarpädagogik (Bafep) zugelassen sind. Dieses Studium solle für alle Maturanten offenstehen, fordern die Stadträtin und der Stadtrat vom Bildungsministerium. Es brauche zudem Ausbildungsförderungen oder Stipendien für Berufsumsteiger, eine bundesweite Imagekampagne für den Beruf und einen Ausbau der Klassen an der Bafep.

Regeln vereinheitlichen

Aus diesem Forderungspaket an den Bund wollen Mayr und Auinger über den Städtebund in den nächsten Wochen eine Resolution aller Städte machen: "Unsere Hilferufe und Vorschläge in Richtung Bund blieben bislang ungehört."

Die Innsbrucker Stadträtin will zudem, dass die Regelungen auf Bundesebene vereinheitlicht werden. Vorgaben wie der Betreuungsschlüssel, die Bezahlung oder Ausbildungsvorgaben sollten einheitlich beim Bund verankert sein und nicht in neun verschieden Landesgesetzen. Die Kompetenzwirren des Föderalismus hätten ein einheitliches Vorgehen bislang erschwert. (Stefanie Ruep, 9.6.2022)