"Do hab i a g’schaut wie ein Autobus."

"Des is ka Gießkanne, des is a Wasserrohrbruch auf der Südosttangente."

"Die ham uns ewig am Schmäh g’halten."

Eine Freude, dem letzten Spitzenpolitiker zuzuhören, der noch redet, wie ihm der (Wiener) Schnabel gewachsen ist. Der über eine plastische, drastische, aber nicht ordinäre Ausdrucksweise verfügt.

Gemeint ist ÖGB-Präsident Wolfgang Katzian, der am Donnerstagabend bei Armin Wolf (welcome back, übrigens) über die dringende Inflationsentlastung für Arbeitnehmer sprach.

"Do hab i a g’schaut wie ein Autobus." ÖGB-Präsident Wolfgang Katzian.
Foto: APA/HELMUT FOHRINGER

"G’schaut wie ein Autobus" hat der sozialdemokratische Gewerkschafter Katzian, als er von der geplanten Preiserhöhung für Fernwärme im roten Wien hörte. Der "Wasserrohrbruch" waren die Milliardenhilfen für die Wirtschaft in der Corona-Krise. Und "am Schmäh g’halten" fühlt er sich von der Regierung.

Im Zeitalter der zur Perfektion getriebenen Message-Control, Einlullungssprache und des Koma-induzierenden Polit-Sprechs ist so etwas mehr als erfrischend. Nebenbei kam auch heraus, dass die Regierung in ihrer Not offenbar wieder auf die Sozialpartner setzt.

Einer der Gründe für die Politik-(und-Demokratie-)Müdigkeit dürfte auch sein, dass fast nichts mehr authentisch, realitätsnah und kraftvoll in der Politik ist. Zu viele "g’schleckte" Kommunikationstrainierte. (Hans Rauscher, 9.6.2022)